Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 382 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mussarbücher 382 Die Freiheit des Menschen vermag freilich nicht den Zusammen״ hang der Schöpfung zu durchbrechen, jede gute Tat erzeugt Gutes und jede böse Tat Böses. Auch Gott erscheint zunächst durch das Recht und Gericht, das er in die Natur gelegt, gebunden. Aber der liebende Gott und die liebende Persönlichkeit können diesen Zusammenhang der Schöpfung zerschlagen. Das besagt die Lehre von der Rückkehr und der Sühne im Judentum. So zeigt sich uns der Versöhnungstag als der dritte Sabbatb. Neben den Sabbath der Natur, den Sabbath des Seins, den Menschensabbath, den Sabbath des Solls, tritt der Sabbath der Liebe, der von Gott ein ״Werde“ erschallen lässt und eine neue Zukunft baut, wenn der Mensch: der Vergangenheit entsagt und sich zu einem ״Werde“ entschliesst. Wie durch die Gebote Gottes die Gatten vor Gott in Liebe vereint, wie Eltern und Kinder von Gott im Nacheinander der Schöpfung gesetzt, so sehen sich Bruder und Bruder im Nebeneinander der Schöpfung vor Gott gestellt. Die vollendete Harmonie dieses Nebeneinander, dies eigentlich letzte Ziel der Schöpfung und zu erstrebende Glück der Menschheit wird nur durch Gottes Gebot verwirklicht. Denn auch das menschliche Nebeneinander beruht auf dem Zusammenhang der Schöpfung Gottes, wie das Nebeneinander der unfreien Naturwesen. Darum kann auch nur das Recht, das Gott gesetzt, den Zusammenhang der freien Geschöpfe regeln. Eine Ahnung von diesem Parallelismus geht auch der dem Gottesgebot entfremdeten Welt auf, wenn sie vom Naturrecht spricht, das an Naturgesetz erinnert. Aber dies ״Naturrecht״ hat nur den Sinn einer Forderung, es zeugt von Selbsterkenntnis, wie weit das wirklich von den Völkern gesetzte Recht als Unrecht empfunden wird. Das wahre Naturrecht kann nur Gegenstand der Offenbarung sein. Es ist die Schuld der Menschheit, dass dies Recht jetzt nur auf die Abrahamsfamilie beschränkt ist, an sich ist es das Menschheitsrecht. Auch die Nation ist nicht anderes als die erweiterte Familie. Dies Bewusstsein hatten auch Adams Nachkommen im Turmbau zu Babel. Aber sie erhoben die erstrebte Einheit der Urfamilie zum Selbstzweck. An Stelle der Gott dienenden Ur-