Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 380 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Mussarbücher Mussarbücher. Es ist das Schicksal der Mussarbücher, dass sie mehr gelobt als gelesen werden. Sie sollen ja freilich nicht eigentlich מgelesen״ werden, sondern der Seele Anregung geben zur Mitarbeit. Nur der eigentliche Mussarnik zieht den rechten Gewinn aus diesen Büchern, wenn er im ״Mussarstübl,“ in seinem Kämmerlein Zwiesprache hält mit seinem Innern, aus der strömenden Fülle seines Ich den schlichten Worten Leben einflösst, dass sie bereichert und vertieft ihm Besonderes sagen. Was Fr. Paulsen einmal von Kant’s ״Kritik der reinen Vernunft“ im Verhältnis zu Hume’s ״Untersuchungen über den menschlischen Verstand“ gesagt, dass erstere ihre weitaus grössere Wirkung der schweren Arbeit verdankt, die sie dem Leser aufgibt, gegenüber der leichtverständlichen Sprache bei Hume, das gilt auch von den Mussarbüchern. Es ist schwer, denjenigen, der für Mussar, für die Selbsteinkehr erst gewonnen werden soll, durch die Darbietung der schlichten Worte zu beeinflussen. Es ist das alte Lied, dass das Einfache und Grosse um der Selbstverständlickeit willen, mit der es Beachtung finden darf, übersehen wird. Zumal in einer Zeit, wie die heutige, die den Kultus des Wortes und der Form so sehr in den Vordergrund rückt. Darum sollen wir Bücher mit Dankbarkeit begrüssen, die durch ein neues, eigenartiges Gewand den Leser fesseln und ihm darum Wegweiser werden können zu neuen — den alten — Bahnen. Wir nennen zuerst ״Elijahu.“ *) Es ist sicher kein Mussarbuch im eigentlichen Sinne. Er deckt nicht die Schäden auf, die in unserem eigenen Lager, dem des thoratreuen Judentums, sich vielfach so erschreckend zeigen. Es ist mehr ein Hohelied über das Wesen des Judentums. Aber es ist geeignet die Gemüter aufzurütteln und indem es die Hoheit des Ideals schildert, *) Elijahu von Isaak Breuer. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt*a/M.