Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 372 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Eine neue Auflassung des Shyloek Doch nehmen wir Zangwills Konjunktur im Texte des Dramas als erwiesen, die inkriminierte Stelle (13: das Bekenntnis des Juden zu ewigem Christenhass) als nicht vorhanden: Würde das wesentlich ein viel anderes Bild von Shyloek ergeben? Sind nicht, auch dieses offene Hassbekenntnis hinweggerechnet, der Stellen und Reden genug, aus denen Shylocks Gesinnung gegen die Christen bis zur Evidenz erhellt? Ist nicht seine ganze geistige Physiognomie, seine ganze Atmosphäre darauf angelegt, ihn uns als den unversöhnlichen Hasser christlicher Art und Denkweise vorzuführen? Prüfen wir daraufhin die Situation, die erste Begegnung Shylocks mit Bassanio und Antonio (mit Auslassung des fatalen Selbstgesprächs Shylocks): Shyloek spricht zuerst mit Bassanio allein. Auf dessen Aufforderung mit ihnen zu Abend zu speisen, erfolgt die schroffe Ablehnung: (״Ja, um Schinken zu riechen, von der Behausung zu essen, wo euer Prophet, der Nazarener, den Teufel hineinbeschwor usw.0). Dies klingt von Shyloek nicht liebreich, aber auch nicht hasserfüllt. Nun kommt Antonio hinzu und erklärt, er wolle von Shyloek die dreitausend Dukaten gegen Zinsen leihen, obwohl es gegen seine Gewohnheit sei, Wucherzins zu geben oder zu nehmen. Es folgt die giftige Auseinandersetzung Shylocks mit Antonio über die Berechtigung, Zinsen zu nehmen, wobei sich Shyloek auf den Erzvater Jakob beruft, der auch, ohne Laban zu bestehlen, durch geschickte Ausnutzung der Brunst der Schafe seinen Gewinn gemehrt habe. Antonio nennt Shylocks Berufung auf die Heilige Schrift teuflisch, er spricht von Shylocks Arglist und Tücke. Dies ist nicht mehr geschäftsmässige Sachlichkeit, sondern bekundet Feindseligkeit und offene Kampfansage an Shyloek. Und nun folgt die Entladung, der langaufgespeicherte Hass und Geifer Shylocks bricht sich Bahn: Signor Antonio, viel und offcermals | Habt Ihr auf dem Rialto mich geschmäht | Um meine Gelder nnd um meine Zinsen: | Stets trug ichs mit geduldigem Achselzucken j Denn Dulden ist das Erbteil unsres Stammes. | Ihr schaltet mich ungläubig, einen Bluthund | Und speit auf meinen jüdischen Rockelor | Bloss weil ich nutze, was mein eigen ist. | Gut denn, nun zeigt es sich, dass Ihr mich braucht. | Da habt