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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 371 (sequence 65)
Language
German
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Eine neue Auffassung des Shylock 371 Charakter, sie sage dies nur, um sich bei ihren neuen Christliehen Freunden liebkind zu machen, ihre Aussage falle daher wenig ins Gewicht — —- II. Wir haben Zangwills Gedankengänge in breiten Strichen wiedergegeben und haben bisher weder für noch wider eingegriffen. Indem wir Zangwills Darlegungen einen so breiten Raum gaben, fanden wir schon Gelegenheiten, manche Schwächen anzudeuten, die der scharfsichtige Schriftsteller sich selbst entgegenhält. Es sei nunmehr versucht, unsere Stellung zu dieser originellen Auffassung darzulegen. Unser Eindruck ist kurz gefasst dieser: Aller glänzenden Beredsamkeit und Dialektik Zangwills zum Trotze kann diese Auffassung von Shylock uns nicht überzeugen. Wir werden unsere Meinung von Shylock nicht zu revidieren haben und nicht umstellen könne!!. Uns gilt der reine, unverkürzte, unverfälschte Shakespeare alles, und ein durch Kürzungen und Auslassungen zurechtgemachter sehr wenig. Als 1725 der berühmte englische Epiker Alexander Pope seine in heroischem Versmass und im Zopfstilgeschmack gehaltene Ilias- und Odyssee-Ueber- Setzung dem geistreichen und gefürchteten Kritiker Bentley zur Beurteilung vorlegte, 8011 dieser gesagt haben: It is pretty poetry, but you must not call it Homer. Dasselbe könnte man zu Zangwill sagen: Dein Shylock-Bild ist gut entworfen, doch es ist nicht Shakespeares Shylock. Zangwills Phantasiebild ist nur wahrscheinlich gemacht durch Kastrierung des Textes (durch Weglassung der Stelle 13: ״Wie sieht er einem falschen Zöllner gleich“ etc.), und ein solcher Eingriff erscheint uns unstatthaft, ein gewagtes und unnötiges Experiment. Ist schon deshalb gewagt und der W ahrscheinlichkeit entbohrend, weil eine monumentale Figur wie die Shylocks nicht auf einer einzelnen Dramenstelle basiert sein darf, weil sie mit klammernden Organen alle Szenen und Aufzüge mit ihrem Geiste durchdringt und gleich von vorneherein ihren Feueratem aushaucht, der später zur zehrenden Flamme sieb auswächst.

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