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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 368

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 368 (sequence 62)
Language
German
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368 Eine neue Auffassung des Shylock Und grade zu dieser Stunde des Abendessens — der fromme Jude würde von einer Nemesis sprechen — kommt die Katastrophe vom Raub seiner Tochter durch diese Christenmenschen über ihn! Von da ab bricht seine Raubtiernatur durch. In seinem tragischen Wahne erscheint ihm jetzt der nur zum Spott erdachte Vertrag mit dem Pfund Fleisch als das Werkzeug zur furchtbaren Rache. Dieses Rachegefühl nimmt jetzt furienhaft Besitz von ihm, von dem Abschnitt ab ist er der Teufel, der Werwolf, als welchen ihn die andern Mitspieler schon vorher bezeichneten, der Amokläufer, als welchen wir ihn sehen. — So ist die konsequente Entwicklung von Shylocks Charakter zu verstehen (meint Zangwill abschliessend), so ist eine echt dramatische Steigerung und Entwicklung durch stufenweise aufgebaute seelische Tragik der Geschehnisse hervorgerufen, eine Steigerung, einzig des genialen Dramatikers Shakespeare würdig. Zangwill ist sich der Schwierigkeiten, die dieser seiner Interpretation entgegenstehen, wohl bewusst, und er sucht ihnen zu begegnen. Es gibt Stellen im Drama, 80 führt Z. fort, die für die Auffassung Shylocks als systematischen Teufel sprechen, als den schlechthinigen Unhold, der gleich anfangs mit kühlem Blute auf sein Pfund Menschenfleisch losspekuliert. Die Auffassung von dem Teufel Shylock gründet sich hauptsächlich auf die eine Stelle (I, 3), die Shakespeare gleich zu Beginn Shylock etc. ״beiseite“ sprechen lässt: ״Wie sieht er einem falschen Zöllner gleich, Ich hass’ ihn, weil er von den Christen ist“ etc. (von uns oben ganz zitiert). In der Tat, sagt Zangwill, bietet der Text des Dramas, wie es uns vorliegt, zwei sich widersprechende Shylock- Figuren, den von Anfang an blutgierigen, racheheischenden Shylock, — und den anfangs gutmütigen, zu Spott geneigten, ironisierenden, dann erst durch den Raub der Tochter aufs äusserste beleidigtenund betroffenen,seines TeuerstenberaubtenV ater Shylock. Nun ist auf Grund der Forschungen des bedeutenden englischen Literarhistorikers Sir Sidney Lee1) festgestellt, dass J) 8. hierüber Gerald Friedlander, Shakespeare and the Jew, p. 18 f., London 1921 8. auch Shakespeare-Jahrbuch, Band XVII.

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