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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 366

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 366 (sequence 60)
Language
German
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366 Eine neue Auffassung des Shylock zu rächen, an ihm etwas Furchtbares zu begehen? Sagt er es nicht deutlich genug: (beiseite) ״Wie sieht er einem falschen Zöllner gleich I Ich hass’ ihn, weil er von den Christen ist, Doch mehr noch, weil er aus gemeiner Einfalt Umsonst Geld ausleiht und hier in Venedig Den Preis der Zinsen uns herunterbringt. Wenn ich ihm ’mal die Hüfte rühren kann, So tu ich meinem alten Grolle gütlich. Er hasst mein heilig Volk und schilt selbst da, Wo alle Kaufmannschaft zusammenkommt, Mich, mein Geschäft und rechtlichen Gewinn, Den er nur Wucher nennt. — Verflucht mein Stamm, Wenn ich ihm je vergebe!״ Zangwills Antwort hierauf lautet: Nein, Shylock plant folgenden Handelsvertrag mit Antonio: Dreitausend Dukaten ohne Zinsen, verleihbar gegen Sicherheit von einem Pfund Menschen fleisch. Diese Drohung war keineswegs von ihm ernstgemeint, und der ganze Vertrag nur gemacht aus dem Motive ״einer vornehmen Verachtung für die geldbedürftigen Christenleute“ (he made the bargain out of a superb disdain lor the money-seeking Christians). Diese jungen vornehmtuerischen adligen Verschwender höhnten seinen Gewinn, verachteten seine Wuchergeschäfte, spien auf sein Gewand, nannten ihn sogar einen halsabschneiderischen Hund, — nun, er will ihnen einmal mit königlicher Gebärde zeigen, wie der wahre Jude aussieht, dass auch ein Jude selbstlos, grossmütig sein kann, er will ihnen dreitausend Dukaten, ein enormes Geld, für ein Nichts, für weniger als Nichts leihen, gegen ein wertloses Pfand von einem Pfund Menschenfleisch, das ״auch so nutzbar nicht als Fleisch von Schöpsen, Ochsen, Ziegen“. Das Ganze wäre also nichts als eine vornehme Geste, eine uneigennützige Laune des in seiner Weise auch grosszügigen Geldverleihers Shylock, das Ganze darauf berechnet, Antonio und seinem Kreise eine bessere Meinung von Shylock und den Seinen beizubringen. Und nur so ist sein Vorgehen verständlich. Denn wie könnte auch Shylock, der geriebene Geschäftsmann, so etwas wie die Spekulation auf ein Pfund Menschenfleisch, in dieser Form verpfändet, ernsthaft gemeint haben (so folgert Zangwill weiter)! Was anders wäre das Ganze als eine Eingebung eines ironischen Moments! Als ein ernst-

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