Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 355 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Motive talmudischer Gesetzgebimg 355 Mit diesen Beispielen wollen wir unsere Betrachtung schliessen. Sie kann uns ganz gewiss zu der Ueberzeugung verhelfen, dass eine Religion und die Lehrer einer Religion, die das ganze Leben der Gläubigen regulieren und beeinflussen durch die Gesichtspunkte, die in den beiden Motiven משוס תקון העולם uad מפגי דרכי שלום enthalten sind, nie und nimmer den Vorwurf der Weltfremdheit, der Abgewandtheit vom Leben verdienen, und dass die talmudischen Lehrer, die aus diesen beiden Er־ wägungen heraus Gesetzesbestimmungen getroffen haben, nicht minder wie die Thora, deren Gedanken sie fortspinnen, das Lob verdienen: ״Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit und alle ihre Pfade bedeuten den Frieden“. Wir glauben aber auch, dass, wenn unsere Feinde sich nicht von Lüge und Vorurteil treiben liessen, sondern sich die Mühe geben würden, in den Geist des Talmuds, dieses ehrwürdigen Dokuments der Weltliteratur, einzudringen, sie sich davon überzeugen würden, dass dieses monumentale Werk nicht Vorwurf, Bezichtigung und Befeindung verdient, sondern wert ist der gerechten Bewunderung aller Einsichtigen, aller, die nicht nur Ehrfurcht besitzen vor dem, was grau vor Alter ist und darum göttlich, sondern auch aller derer, die Verständnis aufzubringen vermögen für eine Lehre, deren Gedanken nicht veraltet sind, sondern auch noch die Gegenwart und die späteste Zukunft anzubauen und zu regulieren fähig, wert und würdig sind. So wie das Licht die Finsternis verscheucht, so verscheucht das Wissen, das Erkennen. Vorurteil und Leidenschaft. Das Ziel aller Erleuchtung und Entwicklung wird erreicht sein, wenn alle Vorurteile und Leidenschaften zum Schweigen gebracht sein werden. Wollen wir alle an dieser grossen Aufgabe derMenschheitsbeglückung mitarbeiten fort und fort, nicht nur auf dem Gebiet, dem vorliegendes Thema entnommen ist, sondern auf allen Gebieten menschlichen Wissens, menschlichen Strebens, auf allen Gebieten der Kultur und Zivilisation.