Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 352 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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352 Motive talmu dis eher Gesetzgebung■ Besitzer einer unmittelbar und zunächst an einem Flusslauf gelegenen Zisterne das Recht hat, zuerst seine Zisterne zu fällen und während seiner Fiillungstätigkeit den Lauf des Flusses oder des Kanals zu stopfen, und erst nach ihm haben die weiter unten gelegenen Zisternen, beziehungsweise ihre Besitzer das Recht der Wasserentnahme und zwar ״ מד״שim Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens“. — Wenn innerhalb eines Hofes, der mehrere Häuser umschliesst, man bisher die Gewohnheit hatte, die zur Vergemeinschaftlichung des Hofes notwendige gemeinsame Sabbatspeise (Erub) in ein bestimmtes Haus zu legen, so ist es מד״ש verboten, nunmehr ein anderes Haus für die Bergung dieser Sabbatspeise zu benützen. Die Gefahr, der diese Bestimmung und ihr Motiv Vorbeugen will, wird verschieden geschildert. Eine Erklärung meint, das Publikum war bisher gewöhnt, den Erub in dieses Haus getragen zu sehen. Wenn ihn die Leute nun nicht mehr sehen, so werden sie meinen, die Hofbewohner würden ohne Erub tragen, also ein religiöses Verbot übertreten und dieser Verdacht könnte zu einer Störung des Friedens führen, die eben verhindert werden soll. Nach der Erklärung der Tosafisten liegt die Gefahr der Friedensstörung daiin, dass die Besitzer des Hauses, in dem der Erub bisher niedergelegt wurde, glauben könnte, man würde ihnen den Erub nicht mehr anvertrauen, man würde sie des Diebstahls bezichtigen. Und dass daraus eine Friedensstörung entspringen könnte, ist nicht zu bezweifeln (Gittin V, 8). Das Verhältnis zur heidnischen Welt und die Regelung des Verkehrs mit ihr wurde ganz und gar durch das Motiv ״ סד״שdie Rücksicht auf die Wege des Friedens“ bestimmt. Die Mischna lehrt, dass man sich nach dem Wohl des Heiden erkundigen darf, das heisst, dass man ihn grüssen darf mit dem Friedensgruss, wiewohl das Wort שלום ein Name Gottes ist. Trotzdem der Heide Gott, den Einzigen, leugnet, dessen Name שלום ist, darf man ihn mit dem Worte שלום begrüssen ״mit Rücksicht auf die Wege des Friedens“. Und das gilt sogar für die Tage seiner Götzenverehrung, für seine Feiertage (Gittin V. 9).