Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 351 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Motive talmudischer Gesetzgebung351 ־ der Arme am Wipfel des Baumes Oliven abschlägt, die natürlich auf den Boden fallen, niemand das Recht hat. sie aufzulesen, dass dabei vielmehr das Verbot des Raubes Platz greift ״mit Rücksicht auf die Wege des Friedens“ (ibidem). Die Erlaubnis, die Ackerecke abzuernten, das Vergessene aufzulesen, ist nach dem Thoragesetz für den Volksgenossen und den גד, den Proselyten, ausgesprochen. Die Mischna bestimmt nun, dass ״mit Rücksicht auf die Wege des Friedens“ man die Armen der Heiden nicht hindern dürfe, von diesen Objekten Besitz zu ergreifen (ibidem). Die talmudische Gesetzgebung bleibt aber dabei, dass man die Heiden nicht hindern dürfe, für sich dieselben Rechte in Anspruch zu nehmen wie die jüdischen Armen, nicht stehen; vielmehr zeigt uns die Tosefta, dass wir uns positiv im Sinne der Liebe, der Wohltätigkeit, der Wege des Friedens um die Heiden zu kümmern haben. Die Tosefta, Gittin III, lö sagt: ״In einer Stadt, in welcher Israeliten und Heiden sind, kassieren die Verwalter der jüdischen Armenkasse von Israeliten und Heiden Gelder ein: פד״ש und ernähren die Armen der Israeliten und der Heiden, wiederum פד״ש, und man beklagt und beerdigt die Toten der Heiden פד״ש und man tröstet auch die Trauernden der Heiden ״mit Rücksicht auf die Wege des Friedens“. Wir sehen, diese Tosefta ist die Grundlage für die Entscheidung des Maimonides, durch die uns der Begriff פפני דרכי* שלום so treffend und so trefflich erklärt wird. Mit Recht bemerkt dazu Hoffmann in seinem Buch ״Der Schulchan Aruch“: ״Der Zweck dieser Gebote ist demnach, nicht Frieden zu erlangen, sondern Frieden zu spenden, nicht Frieden zu finden, sondern Frieden zu schaffen. Nicht um unseres Friedens willen, sondern wegen des Friedens und desHeiles aller Menschen, als der Geschöpfe Gottes, sollen wir mildtätig sein, auch gegen die Heiden.“ Während bisher das Wort פפני דרכי* שלום die oben skizzierte weitere Bedeutung hat, wird dasselbe in den nun zunächst folgenden Beispielen in dem engeren Sinn der eigentlichen Friedenserhaltung gebraucht. Die Mischna lehrt uns, dass der