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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 348

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 348 (sequence 42)
Language
German
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348 Motive talnmdischer Gesetzgebung Es bestand auch ein tatsächlicher Unterschied zwischen der Almosen-Pflicht gegenüber dem Glaubens- und Volksgenossen dem Israeliten, und der Liebestätigkeit gegen die ausserhalb des Volkskreises Stehenden, die von den Weisen מפני דרכי שלום geboten ist, insofern, als die erstere, die צדקה, vom Gericht gegenüber dem Israeliten erzwungen werden konnte, während die letztere, mehr den Charakter des חסד, der freiwilligen Liebestätigkeit tragende, der freien Entschliessung des Einzelnen überlassen blieb, jedenfalls nicht erzwungen werden konnte. Bevor wir nun in die Betrachtung der einzelnen מפני דרכי שלום gebotenen Fälle eintreten, möchten wir auf das Verhältnis unseres Gesetzgebungsmotivs zu einem anderen ein Wort sprechen. Gar oft, zumal im Verhältnis des Juden zu der damaligen heidnischen Welt, wird etwas im Talmud erlaubt, was an und für sich als verboten gelten müsste, .משום איבד mit Rücksicht auf eine dadurch entstehende Feindschaft“, (s. Aboda sara 26a לא הילד בת ישראל את העבר״ם מפגי שמילדת בן לעכד׳ם Dazu sagt die Gemara, indem sie die Bestimmung einengt, ואס בשכר מותר משום איבה). Uns will scheinen, dass das Motiv wegen Verhütung von Feindschaft den Einzelfall betrifft, also ein stark individuelles Gepräge trägt, während מפני דרכי שלום ein viel allgemeinerer Begriff ist, der auf die Theologie der göttlichen Absichten bei der Weltenschöpfung und der Gesetzgebung am Sinai abzielt, der die allgemeinen Friedensbeziehungen der Menschen unter einander regeln und sichern will und damit den Frieden in der ganzen Welt zu begründen den Wunsch hat. Treten wir nunmehr in die Betrachtung der Fälle ein, bei denen als Gesetzgebungsmotiv die Rücksicht auf die Wege des Friedens bestimmend war. Bezüglich der Priester, der Nachkommen Aharons, heisst es in der heiligen Schrift: ״ וקדשתוDu sollst ihn heiligen“. Damit ist nach der Erklärung der mündlichen Lehre bestimmt, dass der Priester allüberall, wo Ehren zu vergeben sind, als erster zu berücksichtigen ist. So soll er als erster zur Thora gerufen werden, als erster für das gemeinsame, laut vorgetragene Tischgebet in Betracht kommen, usw. Nach den Bestimmungen

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