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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 347 (sequence 41)
Language
German
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Motive talmudischer Gesetzgebung 347 rauf hinzuweisen, dass selbst ein so edles Motiv, wie ein sittliches Arbeiten mit Rücksicht auf die Wege des Friedens, von den Feinden Israels entstellt und beschmutzt worden ist. Der bekannte Fälscher Justus Brimanus spricht in seinem als Gutachten vor Gericht verfassten ״Judenspiegel״ von der Pflicht des Juden, auch den Heiden, auch den Götzendienern Almosen zu geben, und bemerkt, dass sie aber nur מפני דרכי שלום gegeben seien, ein Motiv, das er dahin erklärt, vergewaltigt und entstellt, die Akkum sollten glauben, die Juden seien gute Freunde von ihnen. Er unterschiebt also der talmudischen Gesetzgebung ein Moment der Unaufrichtigkeit, der Heuchelei. Mein verehrter Lehrer Prof. David Hofmann s. A. weist in seiner Gegenschrift (Der Schulchan-Aruch, 2. Auflage S. 49/50) schon sehr energisch auf diese Perfidie und Gemeinheit hin und bemerkt mit Recht, dass das Motiv nicht heisst: ״ מפני השלוםwegen des Friedens״, ein Ausdruck, durch den allenfalls die Erklärung des Justus einen Schein von Berechtigung gewinnen könnte, sondern ״ מפני דרכי שלוםwegen der Wege des Friedens״, die die ganze Thora anstrebt, die die Wege Gottes sind. ״Wegen der Wege des Friedens״ bedeutet also ״im Hinblick auf die Wege des Friedens״, die die Spuren Gottes sind, der uns in Seinen Wegen zu wandeln geboten hat und dessen Wege Liebe und Frieden bedeuten. In der Tat begründet auch Maimonides die einschlägigen Gesetzesbestimmungen mit dem Hinweis auf Gottes Liebe und Güte. Er sagt: Selbst in Bezug auf den Götzendiener gebieten die Weisen, ihre Kranken zu besuchen, ihre Toten zu beerdigen, wie die israelitischen Toten, und ihre Armen zu ernähren unter den israelitischen Armen מפני דרכי שלום denn so steht geschrieben: ״Gütig ist der Ewige gegen alle und seine Barmherzigkeit ist über allen seinen Geschöpfen, und ferner heisst es: ״Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit und alle ihre Pfade sind Frieden.״ (ibidem) Es muss allerdings betont werden, dass der Ausdruck an manchen Stellen den engeren Sinn der Rücksichtnahme auf den Frieden im einzelnen speziellen Fall haben kann und auch wirklich hat, wie uns die Beispiele zeigen werden.

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