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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 346 (sequence 40)
Language
German
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846 Motive talmudi8cher Gesetzgebung damit nicht ein Mensch zu einer derartigen Schäigung seines Genossen sich hinreissen lasse, (ibidem.) Alle bis jetzt hier angeführten Beispiele zeigen uns, dass die talmudische Gesetzgebung den glatten, ungehinderten Yerlauf des Lebens und die gerechten Beziehungen zwischen den Menschen sicherstellen will, das Wohl der menschlichen Gesellschaft garantieren will. Die Weisen wollen aber noch mehr erreichen. Der Friede soll zwischen den Menschen Platz greifen und ungestört erhalten bleiben. Wir möchten sagen: Die Weisen wünschen, neben der Gerechtigkeit ganz besonders auch die Liebe in den Menschenkreis hineinzutragen. Und wenn das bisher behandelte Gesetzmotiv ״ משום תקון העולםwegen der Rücksicht auf die Interessen der Gesellschaft“ bezweckte, den ungestörten Verkehr zu fördern, ihn durch Gerechtigkeit zu befestigen wünscht, so will das nunmehr zu betrachtende Motiv מפגי דרכי שלום, das wir zunächst übersetzen wollen ״um der Wege des Friedens willen“, die Menschen einander näher bringen, sie an einander schliessen im Geiste der Liebe und des Friedens. Dieses Motiv will alles die Beziehungen der Menschen Störende entfernen und positiv durch positive Liebes- Übung die Menschen verknüpfen. Es ist interessant und sehr bezeichnend, dass der Talmud bei der Behandlung dieses in der Mischna gebrachten Gesetzgebungsmotivs die verwunderte Frage auf wirft (s. Gittin 57 b): ״Sind denn alle hier aufgezählten Einzelbestimmungen erst von den Weisen wegen der Wege des Friedens“ geboten worden? Die ganze Thora hat doch bei allen ihren Bestimmungen nur die Begründung des Friedens im Auge! Heisst es doch (Mischle III, 17): ״Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit und alle ihre Pfade bedeuten den Frieden.“ Wir werden später sehen, dass die Bestimmungen der Weisen keinen anderen Zweck haben, als Steine des Anstosses zu entfernen, die dem von der Thora gewollten Frieden gefährlich werden können, als Missverständnisse zu beseitigen, Rangstreitigkeiten unmöglich zu machen, damit der von der Thora gewollte Friede unter den Menschen nicht leide. Und da gilt es nun auch in diesem Zusammenhang da-

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