Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 333 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige messianologische Vorstellungen usw. 833 eine ermunterende Verheissung, dass selbst in der Nacht, in der agadischen Topologie ein Ausdruck für diese Welt, d. h. im Exile, — Gott nicht aufhören ־wird in Israels Mitte zu wohnen und der Freund Israels zu bleiben (b. Sabb. 98 b). Diese Aussprüche gehören den Lehrern der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts an. Um die Mitte dieses Jahrhunderts scheinen die Angriffe gegen das Judentum stärkere Dimensionen angenommen zu haben. Tiberias, die Stadt, der wir den palästinensischen Talmud, viele Midraschim, Massorah und Liturgie verdanken, war der Schauplatz dieses gewaltigen Geisteskampfes. Der aufmerksame und kritische Erforscher der altrabbinisehen Literatur kann unmöglich die Tatsache aus dem Auge verlieren, dass die Agada in dieser Periode einen Umschwung im Style wie in der Art der Vortrages erfahren haben muss. Man fühlt es, dass das Volk, aufgeregt und verzweifelt, nach Men Synagogen und Lehrhäusern eilt um Aufklärung und Beruhigung zu finden. Ist es wahr was die Priester und Ehetoren, Bischöfe und Philosophen auf den dröhnenden Marktplätzen schreien? Haben die alten Propheten, Hosea, Jesajas und Jeremiah wirklich jene vernichtende, furcht- und schreekeneinflössende Prophetie gegen uns Juden verheissen, ׳ die von den Feinden in den Strassen aus ihren griechischen Textbüchern wiederholt werden? Sind wir wirklich von Gott verworfen und verlassen? Die leblosen Buchstaben unserer Texte übermitteln uns die Angst und die Qual der Juden im dritten Jahrhundert. R. Simon ben Lakish schildert uns das Judentum seiner Zeit in einem Gleichnisse von einem schwer kranken Manne, den alle Aerzte als unheilbar aufgegeben haben, und der trotzdem geheilt seine Krankenstube verlässt. Israel ist krank, die Aerzte erwarten den Tod, trotzdem wird es bald Heilung finden (Lam. r. 1.2) R. J 0 c h a n a n beschäftigt sich des öfteren mit unserer Frage. Ein König, heisst es in einer Parabel, hat sich mit einer Dame verlobt. Er gab ihr nach Sitte und Brauch ein Heiratsdokument mit einem Palast und Juwelen als Zugabe. Amtliche Pflichten nötigten den König in fremde Länder zu ziehen, wo er mehrere Jahre verbleiben muss. Während der Abwesenheit des Königs