Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 330 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Einige messianologische Vorstellungen usw. Israel ist das elendste, verachteste Volk, es ist von Gott verworfen! Dein Volk gleicht einem Sklaven, der in Verachtung und in Ungnade aus seines Herrn Haus verjagt worden ist. Ihr wurdet unter die Völker der Erde vertrieben, damit ihr euch mit denselben assimiliret, und nicht um eure Gesetze zu beobachten und eure abergläubischen Gebrauche am Leben zu erhalten! R. Meir antwortet: Wir sind gewiss nicht wie Sklaven zu betrachten! Wir sind die Kinder unseres Vaters im Himmel, der uns infolge unserer Missetaten aus seinem Palaste verjagt hat. Gott bleibt unser Vater, der seine Liebe für seine Kinder nicht aufgibt und auf unsere Rückkehr, die in Bälde bevorsteht, sehnsüchtig harrt! (Jellinek’s Bet ha־Midrash, I 21, Midrash Esther, ed. Buber p. 81). Die IJebereinstimmung zwischen dem Lehrer aus Tiberias mit dem von Sepphoris ist recht wohl zu beachten. Andere Sätze in R. Meirs und seiner Zeitgenossen Agada mögen eng mit diesem heidnischen Dogma verknüpft gewesen sein. R. Meir sagt: Wir sind Kinder Gottes, ob wir gut oder schlecht sind, sündhaft oder tugendhaft (Sifre Deut. § 308 und Parall.). In diesen Kreisen wird gar häufig über das Problem der Leiden nachgedacht und debattiert. Die Prüfungen und Leiden, die Verfolgungen und Heimsuchungen die in den letzten zwei Jahrhunderten das jüdische Volk getroffen haben, sind keineswegs, wie die vulgäre Tagespolitik oder Journalistik denkt, Zeichen der Verwerfung Israels. Sie wurden gesandt, um Gottes Kinder zu läutern und ihren Anteil am zukünftigen Leben zu sichern. Die Erlösung Israels, lehrt R. Meir ferner, ist eigentlich die Erlösung Gottes selbst. Dieselbe wird weder durch einen Engel, noch durch einen Vertreter vollbracht, sondern durch Gottes Allmacht selbst. Man kann sich den gewaltigen Eindruck, den die antijüdische Agitation mit Schlagworten, wie »Die Juden sind von Gott verworfen“, auf die Juden des zweiten Jahrhunderts ausübte, aus den literarischen Zeugnissen ganz genau vorstellen. Männer, wie Cicero, Poseidonius, Photinius, Tacitus nnd Celsus haben ihre Feder in Galle getaucht und einen Strich