Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 326 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Einige messianologische Vorstellungen usw. Oder ist es natürlich, dass einer der bedeutendsten Agadisten wie R. Samuel bar Nahmani es gewesen ist, der ungefähr 200 Jahre nach der Zerstörung des Tempels diese Katastrophe als ein freudiges Moment in der Geschichte des jüdischen Volkes aufzufassen bestrebt war? Gott beweint täglich die Zerstörung seines Hauses (B. Ber. 3a). Seit der Zerstörung des Heiligtums hat Israel kein Leben in der Welt (Agadath Bereschit, ed. Buber, c. 80) sogar die Pforten des Gebetes sind verschlossen (B. Ber. 32 b). Alle Gebete, die Israel verrichtet, stimmen in der Bitte überein: ״Herr der Welt! Erbaue Dein Haus! Wann wirst Du Dein Heiligtum errichten?“ (Gen. r. 13, 2). Ein Poet, Jacob ben Moses Hebaber gibt diesem Gedanken, der in der altrabbinischen Literatur immer wiederkehrt mit dem Worte Ausdruck: נהפך לאבל מחולי; מעם חרב גבולי. (M. S. Br. Mus. Or. 5557, 0. 113 a, ein Pajtan dieses Namens fehlt bei Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie). Selbst die Römer dichteten die Legende, dass Titus die Zerstörung des Tempels tief bereute und darin ein Unglückszeichen für sein Reich sah (8. Keim, Rom und das Christentum p. 115 und p. 123). Nach diesem ist wohl die Frage berechtigt: Was bedeutet der Lehrsatz des R. S. b. N.? welche Motive haben den Lehrer dazu geleitet diese Lehre zu verkünden und zu verbreiten? II. Um den Sinn von R. S. b. N/s Satz richtig zu erfassen, müssen wir uns den Eindruck der Tempelzerstörung, des Verlustes der nationalen Selbständigkeit, des Ausganges des unglücklichen Krieges auf Heiden, Christen und Juden, besser vergegenwärtigen. Das Verhältnis der Heidenwelt zur jüdischen Religion nach der Zerstörung des Tempels, und noch mehr nach der Niederwerfung des Bar-Kochba Aufstandes, wird in mehreren Legenden und agadischen Diatriben mit den Worten wiedergegeben: ״Der Gott der Juden ist schwach!“ Die vom Kriegsschauplatz heimkehrenden Söldner oder die Augenzeugen der Triumphzüge in Rom dachten sich und waren überzeugt davon, dass ein Gott, der seinen Tempel dem Raub der Flammen,