Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 322 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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322 In den Spuren der Jir’a — — — Naiv, wie? Ja. Wer noch mehr vom Eost der letzten Geschlechter überzogen ist; wird über meine Worte noch ein härteres Urteil sprechen: Dumm. Es ist doch wirklich naiv und dumm, so wird er mir sagen, solch eine Ideologie für die Arbeit der Gesamtheit aufzustellen. Aber nachdem er dir diese wegwerfenden Worte ins Ohr geraunt, flüstere auch du ihm etwas ins Ohr und sage ihm: Nur wessen Herz die Finger der toten Gleichgültigkeit erstarrt gemacht haben, nur der kann solche Worte sprechen, Worte der Schablone. Wir wissen doch, dass die einzige Aufrichtung aus dem Zusammenbruch unseres Volkes an Körper und Geist der Weg der Rückkehr ist zur erhabenen, jüdischen Jir’a — und haben wir das Recht, uns vor den Spöttern zu schämen und nicht offen zu sprechen, früh und spät zu künden von dieser einzigen Aufrichtung? Wer hat uns die Hände gelähmt und behauptet, dass das Volk auf uns nicht hören wird? Wenn es nicht zu Hunderten hört, so doch vielleicht zu Zehnern. Wer hat uns denn dazu verführt, die Möglichkeit des Bestehens einer Vereinigung zu leugnen, einer machtvollen Vereinigung von edlen Söhnen Israels und seiner Jugend, die beginnen will, sich ehrlich und aufrichtig mit der Reinheit des Herzens und der Taten zu befassen? Warum denn nicht? — Doch! Es ist möglich! Und wenn es wirklich gar nicht möglich sein sollte, dann hat das einen anderen Grund: Weil wir, die Wenigen, die nach jener Eigenschaft streben, die Möglichkeit ihrer Existenz leugnen. Noch nicht leer ist das Haus des Volkes — und w7enn es leer ist, von euch, ihr Wenigen ist es leer. Von euch und nicht vom Volke. Noch nicht ist Witwer worden das Volk, noch ward es nicht vertrieben aus dem Paradiese des Judentums. In uns ist das Witwertum und das Geschiedensein. In uns und nicht in ihm.