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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 318 (sequence 12)
Language
German
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318 In den Spuren der Jir’a seinem Weg dabertappt; ohne Ein noch Aus zu wissen־ Wunderbar dahingeworfen, hin- und herstreifend, ein Bail, der in der Luft fliegt, ohne Aufheben und ohne Niederlegen. Denn sie vergassen, woher es kam und vergassen, wohin es geht. Alles konnten sie vergessen — nur nicht diese langweilige Sache, nur nicht diese magere Resignation, in der nichts anderes ist als eben ihre Leere: Dass alles nichts nützt und alles kein Glück hat, dass alles schon gewesen ist, hunderttausendmal gewesen ist, und auch ich werde so sein, auch du wirst so sein, auch er wird so sein, und keine Veränderung, keine Rettung, kein Ausweg, keine Freiheit . . . O, könnten wir dies einen Augenblick vergessen! Vergässen wir, dass wir klein sind, so würden wir uns doch plötzlich an Grosses erinnern. Würden durch Vernichtung dieser Resignation mit einem Male doch Seelen zum Leben erwecken. Frevelmut würd’ untergehen. Torheit zunichte werden. Eine Brücke würde erstehen zwischen Mensch und Mensch, eine Leiter sich erheben zwischen Erde und Himmel. Vergesset doch dies, ihr, die ihr G’ttes gedenket . . . V. Ein Augenblick ... 80 sagte ich: 0״, könnten wir einen Augenblick vergessen!“ Denn grösser ist die Ehre dieses Kurzlebigen als die Fülle der Zeiten von Oede strotzend. Was der Augenblick leistet, schaffen nicht die Jahre. Der Sterbliche möge wissen, dass, wenn der Augenblick in seiner Hand — Leben in seinem Willen liegt. Denn wenn der Mensch sich auch viele Jahre vorbereitet und lang die Zeit ist, da er an seiner VoHkommenheit arbeitet, so wird erst dann seine Gabe vollkommen sein, wenn der Augenblick da ist. Nur er ist Gabe G’ttes. Nur durch ihn wird er zum Manne oder wandelt sich in einen anderen Menschen. Gebet Ehre dem Augenblick!

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