Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 301 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Telschi 301 das Los des geringsten seiner Schüler wie ein Vater besorgt, vom Lernen und Denken so beherrscht, dass er bei einem Disput vergass, die Finger, die er als Zeichen der Anerkennung in die Wange des Schülers gegraben, auch wieder herauszunehmen und um die Praxis des jüdischen Lebens so bekümmert, dass er selbst die Läden besuchte, um Wage und Gewicht zu prüfen. Dieser Grosse gründete die Telscher Jeschiwo und er erhob sie zu einer Anstalt, deren Schüler überall in der Welt dem erworbenen Gute die Treue halten und für die Kräftigung der Thora und ihre Verbreitung wirken. Selten hat eine Jeschiwo so nachhaltige Erfolge erzielt wie die Telscher. Die Lehr- und Lernweise R. Eliesers דל hat in Litauen Schule gemacht und ist von vielen Thoragrössen übernommen worden. Man bezeichnet sie mit הבנה והגיון, Begriffe, die mit ״ Logik״ nur schwer wiedergegeben werden. Um aber doch eine kleine Skizze von der Lehrmethode zu geben, sei bemerkt, dass es nach ihr nicht so darauf ankommt, einen in sich geschlossenen Abschnitt der Gemoro und sämtliche Erklärer hierzu zu erfassen, um dann eventuell auf ihnen weiter zu bauen, sondern die Gemoro, so wie sie vor uns liegt, mit Raschi und Tossafoth zunächst zu lernen, das Für und Wider logisch zu verstehen, die Grundgedanken und Prinzipien, von denen aus das Für oder Wider entstand, zu begreifen, um dann in den übrigen — nicht allen — Erklärern die Berichtigung und Ver־. tiefung der erworbenen Ansicht zu finden. Hieraus ergibt sich, dass der Lernende in ziemlich selbständiger Weise allmählich die Grundlagen des Talmuds logisch erfasst und dass andrerseits sein Geist auch talmudisch, ״lomdisch“, jüdisch denken lernt. Darin verbindet sich der erzieherische Wert des Lernens mit dem des Mussar, der Seelenabrechnung, die das jüdische Gewissen quält oder beruhigt, ständig und immer aber treibt zur befreienden, jüdisch-sittlichen Tat. R. Elieser דל führte das Studium der ספרי 'מוסר ein, sowie Mussarvorträge, die die Ideen des Judentums belauschten, jedoch glaubte er diesem Lernzweige nicht so bedeutenden Raum gewähren zu müssen2). 3) Im übrigen sei auf die gut orientierenden Aufsätze Rabbiner