Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 295 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Die BussfertigeD usw. 295 als sie der einnimmt, der immer den gewohnten Weg beschritten. Denn er hat alle lockende Süsse der irdischen von der Gottes« lehre nicht begrenzten und beschränkten Genüsse gekostet. Frohen Kampfes überwindend ist jeder Schritt näher seinem Ziele ihm ein Glück. Aus der quälenden Erkenntnis seiner gottentfremdeten Vergangenheit strömt ihm in immer stärkeren Wellen die reine Gottesliebe zu. Von hier aus gesehen, könnte man die beiden sich widersprechenden Aussprüche R. Jochanans und R. Abahus miteinander ausgleichen. R. Jochanan, der die Herrlichkeiten, die die Propheten geschaut, für die Bussfertigen bestimmt sein lässt, während dem vollkommen Gerechten das aufbewahrt ist, was keines Menschen Auge geschaut, würde an jene denken, denen die Propheten die furchtbaren Strafandrohungen gekündet, denen sie zu Herzen geredet, dass sie zu Gott zurückkehrten und denen sie das Glück ausgemalt, das ihrer dann harrt. Das sind jene Bussfertigen, die sich mit allen Greueln des Götzendienstes, der Verbrechen gegen ihre Mitmenschen beladen haben. Und R. Abahu würde von jenen Gestalten reden, die Abraham gleich ihren Schöpfer erkannt, aus reiner Liebe zu ihm ihr bisheriges Leben und Trachten hinter sich geworfen. Doch eine solche Harmonisierung dort zu versuchen, wo der Talmud ausdrücklich den Gegensatz betont, erscheint uns unangebracht. Es ist eben bei derartigen kontroversen agadischen Lehrsätzen nicht so, dass wir gezwungen wären, uns für einen zu entscheiden, wie das bei halachischen Diskussionen der Fall. Hier muss, da sie normativ für die Gesetzesübung sind, die Entscheidung nach der einen Seite gefällt werden. In den agadischen Kontroversen, die der Ausdruck von Lebensanschauungen sind, kann die eine Betrachtungsweise wohl neben der anderen bestehen. Eine jede ist eben relativ. Gilt es die eine, den Wert eines reinen von der Sünde nicht befleckten Lebenswandels ins rechte Licht zu stellen, dann rückt die Lehre R. Jochanans in den Vordergrund22. Sollen wir aber der Allgewalt und der Wunderkraft der Teschuba recht inne werden, dann soll uns der Ausspruch R. Abahus erheben. Das eine