Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 294 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293030--07009-2300233- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
294 Die Bussfertigen usw. Grundüberzeugungen und seine Lehren nicht3 sagten, vielleicht ein Typ, für den das Judentum die Bezeichnung geprägt hat תינוק שנשכה בין הנדס. Wie ein solches Kind, das gefangen weggeführt wurde und unter Nichtjuden ohne jede Kenntnis der Thora und ihrer Forderungen aufwuchs, nicht verantwortlich gemacht werden kann, so ein jeder, den Vaterhaus, Erziehung und Milieu von der Welt־ und Lebensanschauung des überlieferten Judentums fernhielt. Damit ist auch zugleich gegeben, dass der Ausspruch R. Abahus sich nicht mit der bekannten christlichen Wertung des reuigen Sünders berührt17. Man wäre ja versucht, in der Auseinandersetzung zwischen R. Jochanan und R. Abahu eil Spiegelbild des Gegensatzes jüdischer und christlicher Anschauung zu sehen. Ist aber an sich nicht anzunebmen, dass ein Amoräer sich zum Sprachrohr einer gegen das Judentum gerichteten Anschauung macht18, so am wenigsten von R. Abahu, von dem eine ganze Zahl von Gesprächen mit Christen z. T. auch polemische Aussprüche gegen christliche Dogmen im Talmud berichtet werden19. Die Sünder und Zöllner des N. T., denen der christliche Religionsstifter seine besondere Liebe angedeihen liess20, tragen sicher nicht die Züge des בעל תשובה, wie wir ihn als Ideal jüdischer Beurteilung festgestellt. Und hier haben wir auch die Verbindungslinie mit jenen tastenden Versuchen, die wir in Anschluss an die von Maimonides in seiner Einleitung zu den Sprüchen der Väter gegebenen Darstellung sich an der Lösung der oben erwähnten Schwierigkeit abmühen sahen21. Sie werden dem Ausspruch R Abahus, wenn auch nicht dem Wortlaut nach, so doch in einem tieferen Sinne gerecht. Der Bussfertige, von dem gesagt wird, er stände höher als der vollkommen Gerechte, er kann nicht gut der sein, dessen Vergangenheit mit allen Abscheulichkeiten eines ruchlosen Lebens belastet ist. Er ist ein vom rein menschlichen Standpunkt edler Mensch, dem nur durch eine Kette ungünstiger Umstände der rechte Weg, der ihn als Juden zu Gott hätte führen können, verschlossen war. Hat er sich auf diesem zurechtgefunden, dann freilich gelangt er zu einer noch höheren Stufe