Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 287 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bnssfertigen u8w. 287 der Lebensauffassung des Judentums noch einmal einzugehen. Wir wissen, wie fern dem frommen jüdischen Empfinden der Gedanke liegt, dass wir Gott nur des Lohnes willen dienen, die Uebertretung des göttlichen Willens nur aus Furcht vor Strafe meiden sollen. Wir wissen ebenso, dass Glück und Unglück in Diesseits nicht als unmittelbare Folge eines frommen und frevlerischen Wandels vor Gott hingestellt werden können. Das ganze Buch Hiob ist ja ein Protest gegen diese Auffassung. Aber ebenso sicher ist, dass es den Lebensnerv des Judentums zerschneiden würde, wollte man den Glaubenssatz von einem Gott, der das Gute belohnt und das Böse bestraft, aus seinen religiösen Inhalten streichen. Der ganze Sinn der Welt und des göttlichen Heilsplanes mit der Menschheit ist, dass der Mensch immer eines grösseren Glückes teilhaftig werden sollte, dessen Gipfelpunkt im Jenseits liegt. Und in seinen Ursachen verborgen aber darum in seinen tatsächlichen Wahrheit nicht minder gewiss ist, dass die Gottheit vor die Erreichung dieses Zieles die Arbeit gesetzt, einen mühsamen Weg, der allmählich sich steigernden Vollkommenheit, einen Weg, der trotz aller Mühseligkeiten wohl an sich beglückend ist, aber unbedingt beschritten werden muss, weil nur er allein zu der höchsten Seligkeit führt, mit der die Gottheit den Menschen begnaden will. Gott hat der Menschheit, und dem ausgewählten Volke ins Besondere, durch seine Lehre diesen Weg gewiesen. Er hat, wie für die Erhaltung Seiner materiellen Schöpfung die Naturgesetze, so für die Wahrung und Förderung der geistig-sittlichen Welt das unabänderliche waltende Gesetz der Vergeltung als beherrschendes Prinzip für das Erdenwallen des Menschen bestimmt. So liegt der Wider3pruch offen da. Aber selbst zugegeben, dass am Anfang aller Dinge auch die Institution der Teschubah eingesetzt als Regulativ des starren Prinzips der Vergeltung, das dem Sünder, der fast hoffnungslos verloren wäre, immer wieder die Möglichkeit gibt, in den ursprünglichen Stand der Unschuld zurückzukehren — dies zugegeben: Der Fromme, der sein ganzes Leben daran gesetzt, Gott zu suchen, ihm nach-