Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 286 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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286 Die Bussfertigen usw. kann. תשובה das bedeutet Umkehr, Rückkehr, Reue, innere Umwandlung, Wiedergutmachen. Das Alles und noch mehr: Ein ganzes Leben, das sich im Abfall von Gott ausgewirkt hat, kann durch einen einzigen Akt gewissermassen in seinen Folgen ausgelöscht werden. Und andrerseits vermag alle Gnade und Barmherzigkeit Gottes nichts, wenn nicht der Mensch aus eigener Kraft den Schritt, der in תשובה verlangt wird, vollzogen hat. Es ist nur eine Form der Darstellung von der grundlegenden Bedeutung, die der תשובה im Heilsplane Gottes zugeschrieben wird, wenn im Midrasch gesagt wird, dass sie der Schöpfung vorausgegangen sei. Das will besagen, dass der Sinn der Welt und die Möglichkeit der bei der Schöpfung in Aussicht genommenen Entwickelung der Menschheit ohne die Mitwirkung der תשובה undenkbar ist. Auf der Gerechtigkeit und der Liebe Gttes ist die Welt gegründet. Sie gewährleisten allein den Fortschritt der Welt und die Vervollkommnung des in sie gesetzten Menschen. Die Liebe Gottes erfordert es, dass dem Menschen, der seiner Natur nach zur Sünde neigt, der Weg offen bleibt, zu seinem Gott jeder Zeit zurückzukehren, die Gerechtigkeit, dass dieser Weg von den Menschen selbst beschritten wird, dass er nicht in völlig unverdienter Gnade dort ernten soll, wo er so gar nicht gesät hat. Mit Recht sagt Albo dass es unter allen Geboten (מצות עשה) der Thora kein einziges gibt, durch das der Mensch ganz allein das letzte Ziel, das die Thora ihm gestellt, erreichen kann als תשובה. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass Mosche dort, wo er von seinem Volke Abschied nimmt, wo er die letzte Kraft in seinen letzten Reden sammelt und sie in den ergreifendsten und erschütterndsten Worten ausströmen lässt, dies Gebot und nur dies Gebot ausspricht2. Diese Lehre von der ganz einzigartigen Bedeutung und Wirksamkeit der Teschuba scheint aber in Widerspruch zu stehen mit einer nicht minder entscheidenden Grundüberzeugung desJJudentums, nach der dem Menschen vergolten wird nach seinem Tun. Es erübrigt sich, auf die hundertmal widerlegte Behauptung von der ״Lohngerechtigkeit״ als treibendes Motiv in