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Jeschurun · 1924-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1924) · p. Seite 280

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 280 (sequence 58)
Language
German
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lieber Marc Chagall 280 Ueber Marc Chagall. Von Dr. Hermann Weyl, Frankfurt a. M. Künstlerschicksal ist kein logisches Gebilde, aber es hat eine innere Struktur von gewisser Folgerichtigkeit. Manche Menschen und Künstler (es sind die immer Gärenden) sprengen bewusst oder imbewusst jede übliche Entwicklungsform und stehen immer wieder als neue Fragezeichen da. Doch auch hier ist dem tiefer Sehenden noch innere Folgerichtigkeit, Andeutung seelischer Gesetzlichkeit vorhanden. Versenkung in die Xndividualität offenbart ihren Lebensweg. Im Folgenden versuchen wir so mit kurzen Zügen Charakteristik eines Zeitgenossen, I. Als russischer Jude wurde Marc Chagall in der litauischen Provinz geboren. Aus seinem Nest im Witebsk- Gouvernement kommt er nach Peterburg und lernt malen. Von dort geht er nach Paris. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges kehrt er nach Russland in’s Heimatstädtchen zurück. Dies sind die äusseren Daten seines Lebens. Seine phantastisch-mystische Weltbetrachtung hat überall das ihm Gemässe ergriffen und bewahrt. In der ersten Periode ist er natürlich Schüler seiner Zeit und aller ihm einigermassen zusagenden Vorgefundenen Kunst. Sobald er sich aber als selbständiger Künstler erkannt hat, hat er sich auch als magischer Gestalter gefunden. (Leider fehlt für den aussenstehenden kritischen Betrachter eine einigermassen verantwortliche Chronologie der Werke, an der man restlos deutlich die Entwicklung aufzeigen könnte.) Das eigentliche Problem der Form ging ihm wohl erst in Paris oder kurz vorher auf. In seiner ersten Periode stelle ich ihn mir als mehr naiv, impulsiv Schaffenden vor, unmittelbar bildend nach den Gesichten seiner Phantasie, unreflektiert und ein wenig traditionell in den Spuren seiner Heimatkunst. Und doch hat er erst in Paris alles Heimatliche eminent zur Entfaltung gebracht. Er kam in die Hochflut des Kubismus

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