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Jeschurun · 1924-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1924) · p. Seite 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 279 (sequence 57)
Language
German
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BM—■■■■■—■■■ ״Gut“ und ״Böse״ 279 ״Gut“ und ״Böse“. Von R. E. May, Hamburg. Wieder haben wir am Schowuaus die ״zehn Worte* verlesen und vernommen, auf denen nicht nur das Judentum, sondern die Kultur der gesitteten Welt beruht und unter ihnen auch die Lebensdauer von ״Gut“ und ״Böse“. Was hat die Lehre von der Lebenskraft dieser Gegensätze in den ״zehn Worten“ zu suchen, die, mit Ausnahme des ersten, das das Recht auf die Forderungen der anderen begründet, die Grundgesetze Israels — und der Menschheit — darstellt, aber sonst keine Lehren erteilt?! Drei bis vier Generationen soll sich das Schlechte, tausend Generationen soll sich das Gute fortpflanzen! Wissen wir nicht aus der Geschichte, dass, wenn das Schlechte auch den Todeskeim in sich trägt, seine Wirkung doch viel weiter reicht?! Und wenn das Gute sich durch tausend Generationen fortgepflanzt hat, sollte seine Wirkung mit der tausendsten erlöschen?! ״Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“ und was ist vergänglicher, als die Geschlechter: ״Geschlechter kommen und gehen, die Welt aber besteht ewig“. Und ewig wie die Welt — das ist die Lehre des zweiten ״Wortes“, — die Lehre des Gleichnisses von ״Gut“ und ״Böse“ — ist die Wirkung des Guten im Verhältnis zur Wirkung des Bösen. Denn was sind tausend Generationen? Tausend Generationen sind dreissigtausend Jahre! Und sind dreissigtausend Jahre für menschliche Zeitbegriffe nicht die Unendlichkeit?! Die Lehre dieses Gleichnisses ist also: das Gute ist unendlich wirksamer, als das Schlechte und nicht umsonst ist sie gleich mit der ersten Lebensregel der ״zehn Worte“ verbunden und besagt: wohl ist, ״das Fleisch schwach“, darum aber hast du noch lange keine Veranlassung den Lebensmut zu verlieren; denn die Lebenskraft des Guten ist unendlich stärker, als die Lebenskraft des Schlechten; erstrebe das Gute und wenn du nicht immer nur das Gute tust; dennoch! kraft der unendlich stärkeren Wirkung des Guten, wird die Menschheit nie zugrunde gehen.

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