Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 268 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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268 Motive talmudischer Gesetzgebung von den mächtigen Impulsen, die durch die Erwägung eines קדוש ה׳ und ,»חלול ד einer Heiligung Gottes oder einer Herab- Würdigung Gottes für unser religiöses Handeln bewirkt werden. ,קדוש ה und חלול ה״ sind Motive für ein gewissenhaftes religiöses und sittliches Verhalten des einzelnen, nicht aber Motive für eine zivilrechtliche Gesetzgebung. Ebenso beeinflusst das Motiv משום מראית העין, das Motiv der Rücksichtnahme auf eine möglicherweise falsche Beurteilung unserer Handlungen beim Publikum das kultuelle und rituelle Leben des einzelnen, ist aber wiederum kein Motiv der Gesetzgebung auf dem Gebiete des Mein und Dein. Und nur davon wollen wir hier handeln. Wenn wir die Reihe solcher Gesetzgebungsmotive mustern — und sie sind zahlreich! — so werden wir alsbald erkennen, dass unter ihnen zwei gegeben sind von umfassender, allgemeiner Bedeutung und von allgemeiner Geltung und dass die übrigen nur Ausstrahlungen dieser beiden sind, dass sie nur Differenzierungen dieser beiden Grundprinzipien darstellen. Diese beiden umfassenden Motive nennen sich ״ משום תקון העולםdie Rücksicht auf die Instandsetzung oder Ordnung der Welt“ und מפני* דרכי ״ שלוםdie Rücksichtnahme auf die Wege des Friedens“. Wir wollen mit den Gesetzesbestimmungen beginnen, die משום תקון העולם erlassen wurden und die sich grossenteils an den Namen des alten Rabbon Gamaliel knüpfen, der noch zur Zeit des Tempelbestandes gelebt hat. Wie sollen wir תקוץ העולם übersetzen? ״Zur Befestigung der Welt, der menschlichen Gesellschaft“? Es sind jedenfalls Gesetze, die erlassen wurden, um den ungehinderten Gang der Welt, der menschlichen Ge- Seilschaft zu garantieren, weil ohne diese Gesetze und ihre Einhaltung leicht Schwierigkeiten entstehen können, die den Verkehr zu stören geeignet sind. Nehmen wir gleich ein Beispiel, das uns die Sache anschaulich macht. Man darf Thorahrollen, Tefillin und Mesusoth von Nicht- Juden nicht über den normalen Preis erwerben ״wegen des Interesses der Welt, der Gesellschaft“. Gewiss ist die Heiligkeit dieser religiösen Embleme einem jeden wahren Juden ans Her&