Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 263 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine religionsphilosophische Möglichkeit 263 weise der, wir sollen uns immer wieder zum Bewusstsein bringen, dass das eigentliche Wesen Gottes uns ewiges Geheimnis bleibt, für uns wohl ein Quell des Segens (כרוך), aber in mystische Schleier der Unerfassbarkeit gehüllt. Was unserem Wesen Y0n Gott zugänglich, ist nur eine Vorstellung, sich auf bauend auf den Eindrücken unserer Welterfahrung und der Offenbarung Begnadeter. Wenn wir als Lösungsmöglichkeit für das Problem des Leidens postuliert haben, Gott muss ungerecht sein, so heisst das nicht, Gottes Wesen müsse so beschaffen sein, denn das wäre Blasphemie, würde der Aufhebung eines Gottesbegriffes, der mehr als Allgewalt seinem Wesen nach bedeuten soll, gleichkommen. Nur die Vorstellung, die wir von Gott haben, so nehmen wir an, muss, wenn die menschliche Freiheit sichergestellt bleiben soll, das Element des Widerspruchs zum Guten, des Sinnlosen und ethisch Negativen enthalten. Seinem Wesen nach ist Gott der Allgütige, nur uns Menschen fehlt die Fähigkeit, Gottes Waltungen von einer Warte aus zu überblicken, die uns Zusammenhang, Sinn und Bedeutung göttlicher Weltenlenkung begreifen lässt. Die Beschränkung der menschliehen Natur, die uns vieles an Gottes Schicksalsleitungen als widersinnig empfinden lässt, ist eine notwendige und ״sinnvolle״ Begrenzung der menschlichen Natur, sie allein ermöglicht die freie Entschliessung des Menschen für Gott. Ein anderer Einwand gegen unsere Argumentation könnte sich gegen die Prämisse richten: Die Freiheit der Entscheidung des Menschen für Gott. Vom Standpunkt des Wertes aus gesehen, ist eine Liebe nicht minder wertig, die den Liebenden kraft der hohen Werte, die der Geliebte darstellt, magnetisch zwingt, Gefühle und Gedanken, die ganze Persönlichkeit dem Gegenstand der Liebe zuzuwenden? Aber die Betrachtung der jüdischen Gottesvorstellung, die sich nach den Offenbarungsurkunden ausspricht in Forderungen an den Menschen, die er erfüllen kann aber nicht muss, führt doch mit Deutlichkeit dahin, dass die Wahrung — jedenfalls der Fiktion — der