Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 262 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Eine religionsphilosophische Möglichkeit uns sowohl als der allgütige, gerechte Lenker der Menschen- Schicksale und zugleich auch als die grausame Zerstörung, Not Verzweiflung und tiefste Qual zulassende Macht erscheint, erst dann gibt es eine Entscheidung, dann ist der Kampf, das Ringen um den Gottesglauben möglich als ein ״dennoch״. Die Möglichkeit eines Gottes für sich selbst zur Gewissheit zu erheben, ist dann eine ״Tat״, die die Inkarnation menschlicher Demut und Freiheit ist. Man kann sagen, will Gott die freie Ent- Scheidung des Menschen für Gott, dann muss Er in seinem Verhalten zum Menschen oder zur Menschheit so sein, dass das sittliche Empfinden, dass tiefste Schichten menschlicher Seele sich auch gegen Ihn aufbäumen. Ein Doppeltes liesse sich gegen diese Motivierung einer Notwendigkeit sinnlosen Leids oder der Ungerechtigkeit Gottes einwenden. Man kann sagen, es sei Blasphemie zu behaupten, Gott müsse, sagen wir es krass, Dinge tun, die ״unethisch״ sind. Es ist viel richtiger, man lasse es dabei, es bleibt uns unlösbar, gewisse Schicksale Einzelner und der Menschheit mit der Vorstellung eines Gottes, ״der sich seiner Geschöpfe erbarmt״, zu vereinigen: ohne die Notwendigkeit dieses Soseins der Weltenlenkung auch nur im Entferntesten zu erahnen, sollen und können wir uns doch zu Gott bekennen. Der Brauch ist bekannt, dass dann, wenn bei Wiederholung des Achtzehngebetes oder beim Anhören von Segenssprüchen der Gottesname rezitiert wird, man sprechen soll: Gelobt sei Er und gelobt sei sein Name ברוך הוא וברוך שמו. Fragen wir uns nach dem Sinne dieses Brauchs, der von den Geonim eingeführt Gott bleibt seinem Wesen nach für den sterblichen Menschen ewig Mysterium. Der Staubgeborene kann Gott nicht sehen und leben. Aus den Waltungen Gottes an Welt und Mensch ergibt sich aber eine für den Menschenverstand fassbare Vorstellung von Gott. Die Bezeichnung für die 3. Person bei den alten grossen jüdischen Grammatikern ist נסתר das Verborgene. ״ הואEr״ ist also Ausdruck für das Wesen Gottes, ״ שפוsein Name״ ist Ausdruck für die Vorstellung, die wir uns von Gott machen. Der Sinn des Brauches wäre also möglicher-