Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 261 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Eine religionsphilosophische Möglichkeit 261 Eine religionsphilosophische Möglichkeit. Von Bernhard S. Jacobson. Die Frage nach dem ״Sinn“ des Leidens hat den menschliehen Geist von jeher beschäftigt und für den religiös eingestellten Menschen erweitert sie sich zu der anderen Frage, was beabsichtigt Gott mit den grausigen Formen des Elends, in das er Menschen bringt. Wenn eine Erklärung für diesen Phänomen vom Denken nicht gefunden werden kann, dann erhebt sich die Frage: Ist eine Lösung des Widerspruchs Leid und Gott möglieh, bedeutet die Tatsache des Leids nicht die Aufhebung der Idee eines gerechten und allgütigen Gottes? Es soll versucht werden eine Möglichkeit zu zeigen, dass die Tatsache der ungeheuren Summe an Elend in der Welt mit der Idee eines gütigen und gerechten Gottes in Einklang zu bringen ist. (Vor einem Jahr sprach ich den Gedanken in kleinem Kreise aus und finde ihn bei einem Metaphysiker des Judentums der Gegenwart Franz Rosenzweig wenigstens bis zu gewissem Grade bestätigt). Würde uns Gott in unserem Leben nur als Allgüte erscheinen, 80 würden wir uns nicht frei für Ihn entscheiden können, sondern die Erlebnisse unseres eigenen Lebens, die Beobachtungen von Menschenschicksalen und der Erscheinungen der Natur, all dies würde unseren Geist mit zwingender Notwendigkeit zur Anerkenntnis Gottes veranlassen♦ Verstehen wir von Gottes Walten, von seiner Lenkung der Menschengeschicke nicht alles; was wir fassen können, sind Beweise für seine Güte, das uns Unverständliche wäre aber, bildlich gesprochen eine neutrale Zone (wir denken etwa an Weltschöpfung aus dem Nichts, das Rätsel gewisser Naturererscheinungen und Gesetze, Anziehungsgesetz, das Sehen) — auch dann ist die Entscheidung eines Menchen für Gott nicht eine Tat des freien Willens, sondern immer noch eine innere Notwendigkeit. Erst wenn Gott ״ כביכולwenn man es sagen dürfte״, um diese klassische Ausdrucksweise des Talmuds zu gebrauchen,