Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 260 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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260 lieber das gegenseitige Verhältnis usw. Mischna hätte bei Albecks Auffassung lauten müssen מיי שנדר בנדר ונשאל לחכם והתירו ד\תה לו בהמה מפורשת כף. Der erste Satz ונשאל לחכם ואסרו מונה משעה שנדר hätte hier keinen Platz; im Gegenteil, er hätte den Zusammenhang der Erörterung über הקדש טעות unterbrochen. Wir schliessen uns deshalb Halevy’s Auffassung an, dass der ganze erste Teil der dritten Mischna, von מי שנדר bis בעדר, die alte Mischna ist, an welche sich die Diskussion von Bet Sch. und Bet. Hillel anknüpfte. Die Tatsache aber, dass die Halacba נשאל לחכם ואסרו מונה משעה שנדר hier steht, erscheint uns als wichtiges Argument dafür, dass die ganze Mischna mit ihren beiden Fällen, נשאל לחכם ואסרו und נשאל לחים והתירו bereits vor Bet Schammai und Bet Hillel bestanden hat, dass wir es hier also nicht nur mit der Tradierung alter Halachot, sondern mit ihrer alten Formulierung zu tun haben.7) 7) Bereits Weiss in seinem ״Dor Wedoreschaw‘1 1,188, hat mehrere Kontroversen zwischen Bet Sch. und Bet Hillel angeführt, die sich auf ältere Halachot beziehen. Halevy, Dor. Har. Ic 204 ff. belegt durch mehr als 30 Beispiele, dass fast alle Kontroversen der beiden Schulen sich lediglich mit älteren Halachot beschäftigen. In zwei Punkten geht er aber — wie Albeck, S. 99 f., mit Recht bemerkt — in seinen Folgerungen zu weit: dass diese älteren Halachot schon früher formuliert waren und zwar schon zur Zeit der Männer der ״Grossen Versammlung“. Zur Ansetzung dieser frühen Zeit genügt es doch nicht, zu sehen, etwa als drei Jahrhunderte nach Simon dem Gerechten, dem letzten dieser Männer, über Halachot gestritten wurde. Auch ist eine Diskussion über eine ältere Halacha noch kein Beweis, dass diese damals schon redigiert vorlag. S. a. Albeck S. 97. Für die Mischnajot Bikkurim III, 2—6 hat Hoffmann ״Die erste Mischna“ usw., S. 15 t die Redaktion unter Agrippa I. (40—44 p) sehr wahrscheinlich gemacht, da die Erwähnung dieses Königs wohl als ein Beleg aus der Gegenwart [des Mischnaredaktors] dafür aufzufassen ist, dass selbst der König den Korb mit den Erstlingsfrüchten auf der Schulter zu tragen hat. Ein zwingender Beweis ist es allerdings nicht, da es nicht ausgeschlossen ist, dass ein späterer Redaktor die tradierte Erzählung von Agrippa als Beispiel anführt. Vgl hierzu die Polemik Albecks S. 90.— Die Mischna Nasir V, 3 bietet nun nach unserer Auffassung ein wertvolles Beispiel für eine Halacharedigierung vor Bet Schammai und Bet Hillel.