Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1924-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1924) · p. Seite 255

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 255 (sequence 33)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293027-2293030--06970-2300255
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Goethe, Friedrich Delitzsch usw. 255 übten“, bewegt preist, davon aber nichts weiss, dass jene Anbetung und Verehrung sich vornehmlich in Kinderopfern und furchtbarster sittlicher Entartung auf jeder Höhe und unter jedem Baum auswirkte, wie an zahllosen Stellen der Schrift zu lesen ist. Wo gibt es in der ganzen Weltliteratur etwas, was dem Zehngebot auch nur von ferne an die Seite zu stellen wäre? Dass das Gebot: Ehre deinen Vater und deine Mutter auf das Gesetz vom Sabbath folgt, ist kein Zufall. Die Geschichte des Judentums, soweit es im Zusammenhang geblieben ist mit seiner Lehre, ist dessen ein lebendiges Zeugnis. Der Sabbath ist der tiefste Segen des Familienlebens, der Vorbote des Messias, der immer wieder das Herz der Eltern zu den Sandern und das Herz der Kinder zu den Eltern zurückführt. Die Gebote Du sollst nicht morden usw. sprechen von der Sünde in ihrer letzten furchtbaren Entartung. Weiter konnte Mittler in den Wahlverwandtschaften nicht kommen, da Charlotte das Gespräch abbricht. Das Ende der zehn Gebote aber ist das Wort: Du sollst nicht gelüsten, von dem alle Sünde ihren Anfang nimmt, aus dem sie allererst hervorwächst, wenn man seiner nicht achtet. In ihm erhält das Wort von dem erlösenden befreienden Gott, mit dem sie beginnen, seine letzte Vollendung. Im Anfang ist die Sünde wie ein Spinngewebe, gar schneU kannst Du ihrer Herr werden. Schliesslich ist sie wie ein eiserner Strick, Du kannst Dich ihrer nicht mehr erwehren, meint der Talmud (b. Sukka 52 a). Die Wahrheit dieses Wortes bekräftigen auch die ״Wahlverwandtschaften“, die vielleicht auch in ihrer Weise die Selbstbeherrschung und Entsagung lehren. Moses hat einst die Tafeln zerbrochen im heiligen Zorn. Er, der sie zerschlagen hatte, wurde von Gott begnadet, sie Israel und der Welt ein zweites Mal zu bringen. Seitdem sind sie ein unverlierbares Eigentum der Menschheit geblieben, dauernder als Erz und Stein. Alle Angriffe, die blindwütiger Hass gegen sie richtet, vermögen ihnen nichts mehr anzuhaben; ״der im Himmel thront, lacht, Jv. spottet ihrer“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.