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Jeschurun · 1924-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1924) · p. Seite 252

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 252 (sequence 30)
Language
German
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262 Goethe, Friedrich Delitzsch usw. das den wenigen Blättern des Hohen Liedes Anmut und Eigentümlichkeit verleihe“, feiert: »Und so dürfte Buch für Buch das Buch aller Bücher dartun, dass es uns deshalb gegeben sei, damit wir uns daran, wie an einer zweiten Welt versuchen, uns daran verirren, aufklären und ausbilden mögen“. Und in den Maximen und Reflexionen Abt. 3 heisst es: ״Die Bibel ist ein ewig wirksames Buch, weil solange die Welt steht, niemand sagen wird: Ich begreife es im Ganzen und verstehe es im einzelnen. Wir aber sagen bescheiden: Im Ganzen ist es ehrwürdig und im Einzelnen anwendbar.“ Kein geringerer als Paul Natorp hat kürzlich gemeint, Deutschland hätte in und durch den Krieg nicht so tief fallen können, wenn es nicht zuvor auch geistig von seiner stolzen Höhe herabgesunken wäre. Führwahr, das Buch ״Die grosse Täuschung“ in dessen Vorwort (s. auch S. 102) sein Verfasser selbstgefällig von einer ״Babel-Bibel-Zeit“ sprechen darf, die jetzt allerdings hinter uns liege, das Aufsehen, welches diese Vorträge seiner Zeit hervorriefen, die weite Verbreitung und Beachtung, die die Schriften H. St. Chamberlains in Deutschland gefunden haben und manches andere mehr liefert auch einen Beitrag zu der Ansicht des Maxburger Denkers. Doch gehen wir noch einmal einen Augenblick auf die bei Delitzsch angeführten Worte aus den ,Wahlverwandtschaften“ ein und nehmen wir sie so, wie sie in der Germanenbibel stehen, losgelöst von dem Boden, aus dem sie erwachsen sind. Nicht darauf sei hier das entscheidende Gewicht gelegt, dass selbst Mittler sich im Grunde genommen nicht gegen das Zehnwort als solches wendet, als vielmehr gegen die Art, wie es in der ״Kinderlehre“ zur Behandlung gelangt, wenngleich er in seiner übertreibenden Art bei dieser seiner ersten Absicht nicht stehen bleibt. Und wir wollen auch nicht prüfen, ob dieser Vorwurf, sieht man einmal von allem ab, was über jenes nächste Ziel Linausgreift, und zieht man alle sonstigen Uebertreibungen ab, berechtigt ist oder nicht. Das Judentum trifft er in dieser Form jedenfalls am wenigsten: nach talmudischer Auffassung

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