Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 251 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Goethe, Friedrich Delitzsch usw. 251 rang getan, mit der wir uns ebensowenig einverstanden erklären können, wie der gläubige Christ mit solchen und gar manchen Bemerkungen, die Goethe über das neue Testament macht, wie sie für die Deutschen im allgemeinen in Goethes Werken und für Delitzsch im besonderen in seiner neuesten Bibel, der Germanenbibel, zu lesen sind. Wahrlich, unsere Heilige Schrift ist uns zu erhaben, als dass wir sie abhängig machten von Beifall oder Tadel auch der Grössten dieser Erde, und so ehrfürchtig wir 1ms vor dem deutschesten der Dichter verneigen, wie ihn einst Emst Moritz Arndt genannt hat, Goethe ist uns so wenig wie Schiller der berufene Ausleger der Bibel und Beurteiler des Judentums. Dem Verfasser der grossen Täuschung und seinen Nachtretern möchten wir aber doch noch ein Wort des Dichters ins Gedächtnis rufen: ״Jene grosse Verehrung, welche der Bibel gewidmet wird, verdankt sie ihrem inneren Wert. Sie ist nicht etwa nur ein Volksbuch sondern das Buch der Völker, weil sie die Schicksale ^ines Volkes zum Symbol aller übrigen aufstellt, seine Geschichte an die Entstehung der Welt anknüpft, und durch eine Stufenreihe irdischer und geistiger Entwicklungen bis in die entferntesten Regionen der äussersten Ewigkeit hinausführt.״ (Materialien zur Geschichte der Farbenlehre 2. Abtlg. Ueberliefertes.) Und auch auf den folgenden Satz Goethes aufmerksam zu machen, wollen wir nicht unterlassen: ״Je höher die Jahrhunderte an Bildung steigen, desto mehr wird die Bibel zum Teil als Fundament, zum Teil als Werkzeug der Erziehung freilich nicht von n a 8 e - weisen sondern von wahrhaft weisen Menschen genut zt werden können.״ (a. a. 0.) Die grosse Täuschung schreibt S. 93: »Alle alttestamentlichen Bücher haben für uns Jetztlebende schlechterdings keine Bedeutung.“ Goethe meint in den Noten zum West-östlichen Divan am Ende des Abschnitts ״Hebräer״, in welchen er das Buch Ruth, das lieblichste kleine Ganze nennt, das uns episch und idyllisch aufbewahrt ist und das ״Zarte und Unnachahmliche״ sowie ״das rätselhaft Unauflösliche,