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Jeschurun · 1924-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1924) · p. Seite 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 248 (sequence 26)
Language
German
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Goethe, Friedrich Delitzsch usw. 248 bezeichnend für den Tiefstand seiner Bildung und für die Leicht« fertigkeit seiner Methode, aber dennoch die einzige Möglichkeit, die grosse Täuschung in diesem Punkte wenigstens in etwas zu entlasten. Hätte nämlich ihr Verfasser, der behauptet, ein Wort Goethes in Erinnerung bringen zu wollen, die Stelle im Zusammenhänge gelesen, dann hätte er sofort erkennen müssen, dass seine Berufung auf Goethe in diesem Punkte eine mehr als unglückliche ist. Sie steht schon ganz auf einer Linie mit der Art, wie etwa H. St. Chamberlain die hebräische Bibel anführt oder Juden und Judentum betreffende Sätze aus den Werken des Dichters in seinem Goethebuche auszieht, worüber ich Näheres in den ״Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus״ vom 19. September 1917 mitgeteilt habe. Der die angeführten Worte spricht, ist Mittler, den Eduard in dem Goethe’schen Romane bei aller Anerkennung seiner vielen guten Seiten ״einen drolligen Mann״, und Friedrich Gundolf, gewiss einer der berufensten Beurteiler einen ״wohlmeinend‘ taktlosen Allerweltshelfer״ nennt, einen jener ״Käuze, die immer wieder Vorkommen״. Schon die Art, wie Mittler eingeführt wird, zeigt, dass er im Sinne Goethes eine komische Figur ist. Dieser bezeichnet ihn denn auch als einen ״wunderlichen״ ״seltsamen Mann״, als einen ״närrischen Gast״ .״Sein rasches Wesen brachte manches Gute hervor, aber seine Uebereilung war schuld an manchem Misslingen. Niemand war abhängiger von äugenblicklich vorgefassten Meinungen als er“. Ein Mann von ״unerbittlichem Verstände“, vermag er doch in die ,dunklen Regionen“ und in die letzten Tiefen der Dinge und der Menschen nicht hinabzusteigen. Schön und fein ist, was er an einer Stelle über das wahre Wesen der Ehe zu sagen weiss. Als aber Eduard seines Beistandes am meisten bedarf, versagt er ganz und gar. Bei der Taufe des Kindes stellt er Ottiliens Fassung auf eine ,harte Probe“; der ״rüstige Redner“ bemerkt in seinem Uebereifer nicht, dass er ״ein furchtbares Uebel hervorzubringen* im Begriffe ist: der gute alte Geistliche verscheidet am Schlüsse der Rede Mittlers. Ist es ein Zufall, dass auch Ottilie stirbt unmittelbar, nachdem Mittler, der ihr Eintreten nicht bemerkt

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