Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 247 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Goethe, Friedrich Delitzsch usw. 247 Hat Delitzsch offenbar in diesem Falle keine Ahnung davon, dass der jugendliche Goethe, aber nur dieser sein Bundesgenosse ist, so beruft er sich für seinen Angriff auf das Zehugebot selber auf Goethe, dessen folgendes Wort er in ״Erinnerung bringt:״ ״Wie verdriesslich ist mir’s oft, mitanzuhören, ,wie man die zehn Gebote in der Kinderlehre wiederholen lässt. Das vierte ist noch ein ganz hübsches, vernünftiges, gebietendes Gebot: ״Du sollst Vater und Mutter ehren״! Wenn sich das die Kinder recht in den Sinn schreiben, so haben sie den ganzen Tag daran auszuüben. Nun aber das fünfte — was soll man dazu sagen ״Du sollst nicht töten״! Als wenn irgend ein Mensch zum mindesten Lust hätte, den anderen tot zu schlagen! Man hasst einen, man erzürnt sich, man übereilt sich und in Gefolg von dem und manchem anderen kann es wohl Vorkommen, dass man gelegentlich einen totschlägt. Aber ist es nicht eine barbarische Anstalt, den Kindern Mord und Totschlag zu verbieten? Wenn es Messe: ״Sorge für des Andern Leben; entferne, was ihm schädlich sein kann; rette ihn mit deiner eigenen Gefahr; wenn du ihn beschädigst, denke, dass du dich selbst beschädigst״! Das sind Gebote, wie sie unter gebildeten, vernünftigen Völkern statthaben, und die man bei der KatecMsmuslehre nur kümmerlich in dem ״Was ist das״? nachschleppt. Und nun gar das sechste! Das finde ich ganz abscheulich! Was? Die Neugierde vorahnender Kinder auf gefährliche Mysterien reizen, ihre Einbildungskraft zu wunderlichen Bildern und Vorstellungen aufregen, die gerade das, was man entfernen will, mit Gewalt heranbringen! Weit besser wäre es, dass dergleichen von einem heimlichen Gericht willkürlich bestraft würde, als dass man vor Kirche und Gemeinde davon plappern lässt״. Wo sind diese Ausführungen zu fiuden? Professor Friedrich Delitzsch, der seine Volksgenossen zu den Quellen deutscher Bildung führen will, hat sich selbst 80 weit von ihnen entfernt, dass er nicht etwa die ״Wahlverwandtschäften״ nennt, die sie bringen, sondern in Klammern anfügt: Aus Germanenbibel 4. Aufl. S. 144. Ob er sich gar nicht die Mühe genommen hat, die bezüglichen Worte, die allerdings erst gegen Schluss der Novelle stehen, aufzusuchen? Das wäre