Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 246 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293030--06961-2300246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Goethe, Friedrich Delitzsch usw. 246 ... Einen zwiefachen Angriff richtet Friedrich Delitzsch gegen das Zehnwort. Schön der zweite Babel-Bibelvortrag wendet sich gegen den ״sinaitischen Gesetzgebungsakt“, indem er mit besonderem Nachdruck und grösster Ausführlichkeit auf eine diesen angebhch ״empfindlich berührende Parallele“ hinweist. Diese Behauptung hat sich als falsch erwiesen1). Nunmehr knüpft Delitzsch das eine Mal bewusst und das andere Mal unbewusst an Goethe an. Dieser hatte in einer Jugendarbeit geglaubt, dass unter dem Zehnwort der heiligen Schrift nicht unsere zehn Gebote zu verstehen seien, sondern vielmehr 2. B. M. 34, vv. 14—26. Goethe nennt im 12. Buche von Wahrheit und Dichtung diese These seiner Jugendjahre einen ״wunderliehen Einfall״, auf den er geraten sei, als er sich mit ״unsäglicher Mühe״, aber ״mit unzulänglichen Hülfemittein und Kräften mit den Büchern Moses״ beschäftigt habe. ״Ich glaubte, — so schreibt er wörtlich — gefunden zu haben, dass nicht unsere zehn Gebote auf den Tafeln gestanden, und ebenso bildete ich mir ein, über den Charakter Mosis ganz neue Aufschlüsse geben zu können״. Mit welcher Willkür hier die neueren Kritiker, denen Delitzsch seine breitspurigen Darlegungen entnimmt, vorgehen, möge man etwa aus Julius Wellhausen, Die Komposition des Hexateuchs, 3. Aufl. Berlin 1899 ersehen, wo gesagt wird, dass der Dekalog Ex. 34, vv. 14—26 ״die gewiss einst deutlich erkennbare Zehnzahl der Worte, jetzt nur verdeckt in vermehrter Ausgabe aufweist.״ J) S. meine Schrift Babel und Bibel, Randglossen zu den beiden Vorträgen Friedrich Delitzschs. Fr. a. M. J. Kaufmann 1904 S. 25—82 und dazu C. Bezold in seiner Besprechung in dem Liter. Centralblatt, B. König: Die Babel-Bibel - Frage und die wissenschaftliche Methode. Berlin. E. Runge 1905 S. 18 f. u. a. O., J. Selbst, Nachlese zum Babel-Bibel- Streit u. a. E. Sellin nennt in seiner Abhandlung: Die alttestamentliche Religion im Rahmen der anderen altorientalischen, Leipzig. Deichert 1908 S. 79 meinen Nachweis, dass H. Winckler und Delitzsch vollkommen in die Irre gegangen sind in der Deutung des Basreliefs an der Spitze des Dioritblocks, welcher die Gesetze Hammurabis auf- -bewahrt, ״definitiv*.