Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 243 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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R. Awrohom Elijo Kaplan זצ״ל. 243 Zügen erzäMen? Es ist da vieles in seinem Leben viel zu zart, als dass es selbst nach seinem Tode mitgeteilt werden dürfte, soll ich ihm in Geist und Gesinnung gerecht bleiben. Er war die Verkörperung des Muss-ar, jener Lebensführung, die in jeder Einzelheit sich Rechenschaft ablegt, ob sie vor dem Richterstuhl Gottes, der als Siegel die Wahrheit führt, bestehen könnte. In seiner Frömmigkeit war kein Falsch, denn sie kannte nur einen Masstab: die aus den Aussprüchen der uns heiligen Männer gewonnene Entscheidung, vor der er sich immer neigte; nicht in sklavischer Unterwerfung, sondern weil er mehr als mancher andere ihrer Grösse inne geworden. Was war doch sein Orach-Chajim-Schiur für ein lebendiger Mussarvortrag, wenn er etwa tiefgründig die Symbolik des Zizzithgesetzes entwickelte und von diesem Gedanken die Brücke schlug zu den halachischen Prinzipien. Da wurden aufgedeckt die Grundfesten der Vorzeit und man sah Halacha und Agada aus einer Wurzel sich entfalten. Und die innere Verknüpfung, die zwischen den Thoranormen und ihren Ideen, ebenso aber auch zwischen den Gesetzen der spezifisch-jüdischen Lebensführung und den allgemein menschliehen ethischen Forderungen besteht, erstand vor uns und der tiefste Gehalt des Mussar wurde offenbar, dass er ein ins Unendliche fortzusetzende Arbeiten bedeutet an dem Verbundensein dieser scheinbar getrennten Betätigungsformen in der jüdischen Seele. R. Awrohom Elijo hatte wie jeder rechte Mussarjünger besonders die Kunst ausgebildet, in einem Konflikt der Pflichten den rechten Weg zu treffen. In diesem Abwägen, dort wo uns das religiöse Leben in seinem ureigenen Bereiche in Konflikte verstrickt, besteht ja recht eigentlich die originale Erfüllung der religiösen Pflichten. Es ist hier nicht möglich die Einzelheiten zu bringen. Das Beste darf ich doch nicht sagen. Für das, was die Krone des Mussar ist, das ערום ביראה fehlt hierzulande noch das Verständnis. Aber es ist auch nicht nötig, es zu sagen. Eine solche Liebe, wie sie dem Dahiugegangenen von seinen Schülern entgegen gebracht wurde, erklärt sich nicht allein aus der Dankbar-