Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 239 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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R. Awrohom Elijo Kaplan זצ״ל. 239 ihn auch als kritischen Beurteiler von Neuerscheinuugen auf talmudisch-wissenschaftlichem Gebiet kennen. Vor allem aber als feinsinnigen, hebräischen Stylisten, der jedem Stoff die ihm künstlerisch gemässeste Form zu geben wusste. Er zählte in Litauen auch unter denen, die ausschliesslich auf die neue Literatur eingestellt sind, zu den bedeutendsten Hebraisten. Den Schreiber dieses erinnerte er oft an Achad Haam. Auch bei ihm eine glückliche Vermählung des Alten mit dem Neuen. Eine ausserordentliche Belesenheit in der neuhebräischen Literatur verbunden mit der vollkommensten Beherrschung des biblischen und mittelalterlichen Hebräisch gab ihm eine Wandlungsfähigkeit ohne Gleichen und so vereinigten sich bei ihm — das Köstlichste und Erlesenste ist zumeist in Briefen niedergelegt und in Skizzen, die er lür sich niederschrieb und nicht zur Veröffentlichung bestimmte — alle vertrauten Klänge aus dem Altertum mit den Formenreichtum und den mannigfachen Ausdrucksmöglichkeiten des modernen Hebräisch zu einer Harmonie, die den Leser immer wieder von Neuem entzückte. In Lied und Prosa, in Uebersetzung und Neuschöpfung, in Behandlung halachischer, philosophischer und ethischer Fragen, in belletristischen Darbietungen, immer fand er die adäquate Form. Niemals hatte man den quälenden Eindruck jenes aus fremder Sprache übertragenen Hebräisch, das dafür zeugt, dass der Autor in Wirklichkeit mit seinem Denken und Fühlen noch in fremdem Kulturkreis wurzelt. Meiner Ueberzeugung nach ist auch die völlige Einfühlung in das Jüdisch-Deutsche, in die Sprache, in der die jüdische Volksseele so viele Jahrhunderte hindurch ihrer Freude und ihrer Trauer Ausdruck gegeben, in der soviel Ernstes gedacht, so viel gesunde Volksweisheit geprägt, so viel lyrischzartes gedichtet ward, eine Vorbedingung für jeden, der das innerste Ringen seines Volkes nicht aus Büchern erlernen, sondern aus tiefem Mitempfinden heraus nacherleben will. Nur die Vertrauten des Kreises, den R. Awrohom Elijo überall wo er weilte, um sich schloss, wissen, wie er auch diese Sprache meisterte, wie er auch in ihr ein Denker war und ein Dichter, welche wunderbare Schönheiten diese aus der Tiefe jüdischen