Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 236 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293030--06951-2300229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
236 R. Awrohom Elija Kaplan זצ׳״ל. gegangenen die völlige Beherrschung dreier durch ihre Literatur hochbedeutsamer und in Bau und Geist doch so verschiedener Sprachgebiete wie die des Hebräischen, Russischen und Deutschen hinzu, haftet, was nur einmal gelesen, für immer im Gedächtnis, so haben wir einen für das Wirken im Grossen Vorbereiteten, der im jüdischen Kulturkreis wie nur einer der bedeutenden Talmudgrössen wurzelte und andererseits Verständnis für das hatte, was dem ״guten Europäer“ eigen. So erschien R. Awrohom Elijo als der vorherbestimmte Führer einer Jugend, die in erster Reihe profan vorgebildet, sehnsüchtig nach den Thoragütern ausschaute, die ihr aus dem Osten kommen sollten. Er wuchs mit seinen höheren Zwecken. Es war ein kühner Versuch des Rabbinerseminars, einen verhältnismässig jungen, noch nicht bewährten Mann zum präsumtiven Nachfolger eines David Hoffmann zu berufen. Ob R.f Awrohom Elijo einmal jene Höhe erreicht haben würde, jene Verbindung von profaner Gelehrsamkeit und Thorawissen, wie sie Hoffmann, ״der Einzige seiner Zeit“ als wissenschaftlicher Forscher und talmudische Autorität verkörperte, können wir nicht wissen. Sicher aber ist, dass er in seiner Art des Forschens und Lehrens einen Gipfel erstiegen hätte, der jenem anderen an Höhe gleichgekommen. Die litauische Methode, wie sie besonders durch R. Chajim Brisker und seine Schüler herausgebildet worden, ist bekannt. Sie erfordert ein ungewöhnliches Mass von Scharfsinn und eine überaus grosse Fülle des Wissens. Sie entfaltet ihre Grösse in dem ״Lernen auf dem Blatte“. Es handelt sich vorwiegend um die Eruierung der schlichten Bedeutung einer Talmudstelle oder der Grundprinzipien einer talmudischen Diskussion. Eine produktive Tätigkeit stärksten Grades wird darauf verwandt, den hier zu Grunde liegenden Begriffen bis in ihre letzte Wurzel nachzugehen, sie immer und immer wieder zu betrachten, bis sie in ihre letzten Elemente zerlegt und gegen andere vorwandte Begriffe scharf abgegrenzt sind. Der Weg hierzu ist aber ein sehr mühsamer. Denn auch die scharfsinnigste Dialektik, die nur mit den Mitteln der Logik arbeitet, führt hier nicht zum Ziele. Es müssen alle Stellen aus der alten