Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 231 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293029--06910-2300192- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
a! Bücherbespreehungen 231 exilisch sind. Da er ebenso einen Deuterojesaja statuiert, wie will er da erklären, dass derartige Wendungen ״mit dem Charakter der Monolatrie“ zu einer Zeit allgemein gebräuchlich sind, wo der reine Monotheismus sich doch zweifellos längst durchgesetzt hatte? — Es ist vorauszusehen, dass wir in dem zweiten Teil in der ״Entfaltungsgeschichte der einzelnen Faktoren der wahren Religion Israels4* manches anzumerken hätten, zumal hier eine Wertung von spezifisch christlichem Standpunkt des Yt’s. von ihm nicht vermieden worden ist. Uebersehrif'ten der Kapitel, wie ״Soteriologie“ künden das schon rein äusserlich an. So kann es natürlich nicht ausbleiben, dass die Moralgesetzgebuog des A. T. nicht nur nach ״Ausgangspunkt und Lichtgipfel“, sondern auch nach ihren ״Schattenwellen“ beurteilt wird. Wir können selbstverständlich mit dem Vf. darüber nicht rechten, für den die Bergpredigt ein Gipfelpunkt sein muss, ebenso wie wir uns wohl bewusst sind, dass wir an die Beurteilung der Faktoren ״der wahren Religion Israels“ mit dogmatischen Voraussetzungen herangehen. Aehnliches wäre inbezug auf noch andere Punkte zu bemerken, Nur noch eins sei hervorgehoben. Der Vf. hat sich auch durch die so oft und eindringlich wiederholten Darlegungen jüdischer Gelehrten nicht davon abbringen lassen unter Thora allein ״das Gesetz“ zu verstehen. Geradezu instruktiv für diese Einstellung ist der folgende Passus (5 3(5, 2): ״Die Prophetenschriften sind mit ihren Ausblicken auf den Fortschritt der Gottesreichsgeschichte dem Gesetz unter geordnet. Dies zeigt sieh z. B. darin, dass der Ausdruck Thora ,Gesetz“ auch für die anderen Teile des A. T. gebraucht wird. Denn z. B. liest man in Aboda s. 17 a: ,,Geschrieben ist in der Tora: Halte fern von ihr deinen Schritt“! und doch steht diese Mahnung nicht im Pentateuch, sondern im Prov. 5,8. Also bahnte sich seit Esra die Periode des Nomismus an“. Anstatt gerade aus dieser Stelle zu schliessen, dass eben unter de Tora nicht nur ״das Gesetz“ sondern ״die Lehre“ verstanden wird, die beides umfasst, sowohl ״das Gesetz“ als Lehre und Belehrung wie sie im Pentateuch und in den anderen heiligen Schriften uns entgegentritt und darum Tora auch von allen Büchern der Schrift gesagt werden kann, wird von jener auf die jüdisch-hellenistische Literatur zurückgehende falschen Uebersetzung von Thora mit .,Gesetz“ geschlossen, dass der Pentateuch gleichbedeutend mit Gesetz. Dass aber der Pentateuch den übrigen heiligen Schriften gegenüber einen Vorrang hat, hängt bekanntlich mit der einzigartigen Stellung Mosches als des grössten der Propheten zusammen, dem die Tora von Gott in einer die menschliche Fassungsgabe übersteigenden Form gegeben wurde. Inbezug auf das zweite angezeigte Werk ist zu sagen, dass es durch die Fülle des Gebotenen gerade inbezug auf ein Thema, über das wir aus der neuesten Zeit keine erschöpfende Darstellung haben, von besonders grossem Werte ist. ״Die Aufrollung des antiken Gesamtbildes von Erscheinungen, an welche die messianischen Weissagungen des A. T. angrenzen“ (Kap. II). ״Der historisch-genetische Zusammenhang der messianischen Weissagungen mit den vorgeführten Analogieen und ihr Alter in Israel“ (Kap. 111) ersetzen auch dem, der sich über diese Fragen gründlicher orientieren will, in der Fülle des Gebotenen eine ganze Bibliothek. In gedrängter Kürze ist überall das Wesentliche gebracht, keine der irgendwie bedeutsamen Anschauungen ist unterschlagen. Es steht dem Leser frei die Kritik, die der Vf. an seinen Gegnern übt, anzunehmen oder dort, wo sie ihm zweifelhaft erscheint, durch Nachprüfung sich ein eigenes Urteil zu bilden. Es ist bei dem christlich gläubigen Standpunkt d. Vf. nur natürlich, dass in dem Hauptstück des Werkes, in der ״Auslegung der messianischen Weissagungen“ die Christologie beherrschend hineinspielt (von dem Schluss-