Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 230 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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280 BßcherbesprechuDgen zwei Menschenalter hindurch jede Gelegenheit wahmimmt. den mannigfachsten Hypothesen entgegenzutreten, die alle darauf hinauslaufen, den geschichtlichen Wert unserer biblischen Quellen und die hohe Bedeutung der in der Bibel vertretenen religiösen Anschauungen herabzusetzen, Wenn wir nun auf die beiden angezeigten Werke im Einzelnen eingehen, so soll gleich von vorneherein bemerkt werden, dass wir uns bei dem umfangreichen Gebiet, das sie behandeln, auf wenige Bemerkungen beschränken müssen. Zur ״Theologie des A. T.a: Es war nicht leicht, den gediegenen und besonnenen Werken, als welche uns immer noch die Werke von Hermann Schultz ״Alttest. Theologie“ und Dillmann ״Handbuch der Alttest. Theologie“ besonders hervorzuragen scheinen, ein neues Werk an die Seite zu stellen, das seinen Wert nicht nur in der Berücksichtigung der neueren Literatur besitzt, sondern auch in einer durchaus selbständigen Darstellung des Ganzen im religiösen Besitzstand des biblischen Judentums. Hier scheint uns besonders der erste Teil gelungen ״Sonderstellung, Herkunft und Hauptstadien im Gesamtleben der legitimen Religion Israels.“ Vorzüglich herausgearbeitet ist das Kapitel von der epochemachenden Bedeutung der religiösen Stellung Abrahams. Wichtig die Betonung des Moments, dass Israel trotz der überragenden Gestalt Moses immer eine vormcsaische Periode unterschieden hat. Aufschlussreich ist das, was aus der Heiligen Schrift selbst zur Erkenntnis des Wesens des Prophetismus und der Propheten vom Vf. beigebracht wird. Die Aufdeckung der Fehlerquellen all der auf philosophischem Rationalismus, eniwicklungsgeschichtliehem Pragmatismus, grobsinnlicher Psychologie sich aufbauenden alten, neuen und neuesten Theorien über Entstehung und Wesen einer so einzigartigen Erscheinung, wie sie der Prophetismus darstellt, haben wir nirgends mit solcher Vollständigkeit wiedergefunden, wie in dem vorliegenden Werke. Es ist natürlich, dass wir sachlich sehr viele Ausstellungen zu machen haben. So sehr sich der Vf. bemüht, die ״Quellen“ des Pentateuch in eine ältere Zeit heraufzurüeken und alles beizubringen, was trotz der vermeintlichen Widersprüche ihre Glaubwürdigkeit erhöht, so wenig kommt er dodi von der Annahme jener pentateuchischen Literarkritik in ihren Grundzügen los. Wir können aus seinem Werke nicht ersehen, dass er die grundlegenden Kommentare und Arbeiten David Hofhnanns benutzt hätte. Wie offenbar ihm doch mancherlei entgangen ist, was von jüdischer Seite zu diesen Fragen geschrieben worden. Doch hat es wenig Wert, dort wo es sich um entscheidende Differenzen in der Grundeinstellung zur Autentbie des Pentateuchs handelt, in Einzelheiten sich zu verlieren. Nur wenige Proben seien gegeben: W i r können natürlich, wenn wir bei den Richtern, bei David und der Folgezeit die Kenntnis des gesamten Pentateuchs voraussetzen, nicht annehmen, dass sie noch nicht den reinen Monotheismus, sondern nur Monolatrie in ihrem Gottesglauben kannten d. h. die Vorstellung, dass der jüdische Gott wohl der allmächtige Gott sei, dass cs aber neben ihm auch andere Götter gibt (§ 28,2 b; § 88,3). Es leuchtet uns durchaus nicht ein, inwiefern die von dem Vf. beigebrachten Beweise für das Vorherrschen der Monolatrie ״in der patriarchalischen, mosaischen und allprophetischen Stufe der alttest. Religion“ stärker sind als die von ihm mit Recht abgelehnten von reiigionsgeschieh! lieh er Forschung beigebrachten Beweise für den Henotheismus im alten Israel. Ex 15,11: ״Wer ist Dir gleich, 0 Ewiger, unter den Göttern?“ bedeutet eben באלים nicht ״unter den Göttern“, sondern unter den Mächten, unter den höheren Wesen. Der Vf. nimmt doch sicher von den zahlreichen Psalmstellen, die er zitiert und die ähnliche Wendungen haben, an, dass sie nach-