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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 225 (sequence 104)
Language
German
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Zur Charakteristik usw. 225 nung unterschied man wohl, wie auch heute zwischen jenen Vergehen und eigentlichen Todsünden. An diesen Beispielen mag es genügen. Ueberall lässt sich erweisen, dass die wiedergegebenen niederdrückenden Stirnmungen, nicht ein Endergebnis sind, sondern nur das erste Stadium wiederspiegeln, das durch ein anderes Stadium abgelöst wird, oder, mit dem vorhergehenden vereint, das Ganze des Verhältnisses des Frommen zu Gott wiedergeben, wie es durch Sünde und Busse in dem, was wir unter Sündenbewusstsein zusammengefasst haben, sich darstellt. Es liegt uns hier fern, Kritik an dem Sündenbewusstsein der christlichen Religion zu üben. Doch muss es zum Vergleiche herangezogen werden, weil von christlicher Seite das jüdische Sündenbewusstsein beurteilt und gewertet wird an dem Masstabe des christlichen. Eine derartige gegenseitige Beurteilung hat nur dann erträglichen Sinn, wenn man sich auf einen gemeinsamen Boden stellt. Als einen solchen sehe ich für das Sündenbewusstsein an, dass Schuld und Sühne im allgemeinsten Sinne gefasst wird als eine Entzweiung und ein Wiedereinswerden mit Gott, dass die beiden Phasen, die jeder Mensch durchläuft, gekennzeichnet sind durch das Bewusstsein von Gott abgefallen zu sein, sich als Sünder zu fühlen und wieder den Weg zu Gott zurückgefunden zu haben und von ihm wieder in Gnaden aufgenommen zu sein. Für das Christentum ist das echte Sündenbewusstsein geknüpft an den Glauben an das Dogma von der Erbsünde. Den Juden, die diesen Glauben nicht haben, kann also gar nicht das echte Sündenbewusstsein eigen sein1). Und die Sicherheit der Wiedervereinigung mit Gott ist ״ (גAber dennoch fehlt dem späteren Judentum trotz aller Erkenntnis der Sünde die Einsicht der völligen Unfähigkeit des Menschen zum Guten und damit bleibt sein Sündenbewusstsein doch nur mehr äusserlicher und oberflächlicher Natur .... Auch heute noch fehlt dem Judentum das rechte Sündenbewusstsein, und es ist ihm daher eine laxe Beurteilung der eigenen wie der fremden Sünden eigen; es hält die menschüche Seele von Natur nicht für verderbt oder mit Sünde behaftet, auch nicht mit sündlichen Neigungen und meint, dass durch die Sünde des ersten Menschenpaares nur das Beispiel der Uebertretung 7

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