Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 224 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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224 Zur Charakteristik usw. So ist das Verhältnis beider Gruppen der verschiedenartigen Aeusserungen, wenn die Sünde in die Erscheinung tritt. Ein anderes, wenn man sich theoretisch über den bösen Trieb Gedanken macht, dann handelt es sich um zwei Betrachtungsweisen von verschiedenen Gesichtspunkten, die nebeneinander ihr Recht haben. Und es ist ja in solchen Fällen nicht immer eine rein theoretische Betrachtungsweise. Sw0 ist es doch nicht, dass nur die einzelne Sünde dem Frommen vor Augen tritt1). Wenn er sich in Zeiten der Einkehr seines unvollkommenen durch so manche Verirrungen getrübten Zustandes bewusst wird, dann tauchen alle jene Gedanken in ihm auf. Er fühlt sich niedergedrückt angesichts der Gefahren, die ihn immer wieder bedrohen können und erhoben von dem Bewusstsein, dass es doch in seine Hand gegeben ist, diesen Gefahren zu begegnen. Sinngemäss ist dies nun auf alles oben angeführte anzuwenden. Eine grosse Zahl von Aussprüchen schilderte die Schwere mancher scheinbar geringfügigen im Allgemeinen leicht genommenen Vergehen, rubrizierte sie zum Teil unter die Todsünden, wies nach, dass sie den Weg, zum ewigen Heil verbauen. Auch hier liegen Warnungen vor, Hinweise, wie das Kleine nicht klein genommen werden dürfe, weil sich aus kleineren Anfängen Schwereres entwickelt, wie es gerade, weil es 80 klein genommen, zur Gewöhnung wird und seine Uebertretung niemals einen Gedanken reuiger Einkehr aufkommen lasse. Aber all jene Aussprüche haben eben nur den Charakter von Warnungen, die immer nur. auf ihre psychologische Wirksamkeit abgeschätzt werden müssen. Auch heute leben jene Aussprüche unter uns, wie oben ausgeführt. Und dennoch werden sie, wo es der Sache entspricht cum grano salis genommen. Niederdrückend wirkt freilich das Bewusstsein, dass man immer wieder in den gleichen Fehler verfallt. Aber in Zeiten der inneren Abrech- *) Von den nichtjüdischen Gelehrten wird das freilich behauptet. Weber S. 240: ״Alles Gewicht liegt auf der einzelnen zähl- und wägbaren Tatsünde״. Ebenso Köberle 495 f. Wir kommen darauf in einem anderen Zusammenhang zurück.