Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 221 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Charakteristik usw. 221 liehen Gerechtigkeit angesichts der Leiden, die der Fromme erfährt, keine Resignation zum Ausdruck kommt. Es ist auch heute das Streben vorhanden, Gott nicht nur mit den Lippen sondern mit ganzen Herzen auch für das Böse zu danken, das Er geschickt1). c) Der Ausgleich der sich scheinbar widersprechenden Aussagen über das Sündenbewusstsein. Jene von uns beigebrachten Aussagen spiegeln sicher in manchen Punkten widersprechende und einander aufhebende Empfindungen. Doch wir dürfen uns die Sache nicht so vorstellen, als ob diese Sätze zum Ausdruck bringen wollten, dass all das, was über die Sünde gesagt ist, im Menschen durcheinander quirlt und nun zu unklaren Stimmungen führt, Seite dieser Stimmung“ schildert) die Bedeutung dieser Züge herabzusetzen. ג) Selbstverständlich gibt es hier Abstufungen von denen, die in der Tat sagen: ״was ist da zu tun“ (vgl. übrigens auch Baba K. 88 a ״was habe ich mit der Art, wie die Babylonier trösten, zu schaffen, das ist ja eine Lästerung, sie sagen: was kann man machen“ usw.) zu denen, die mit Hiob sprechen: ״Gott hat gegeben, Gott hat genommen“, nackt kam ich auf die Welt, ich habe keinen Anspruch darauf, dass mir die aus reiner Gnade geschenkten Güter dauernd verbleiben, darum sei der Name Gottes gelobt für das, was er mir für die Zeit gegeben, — bis zu den auf der höchsten Stufe Stehenden, die zu dem Ausruf Jesaja 12,1 sich aufschwingen: ״Ich danke dir Gott, dass du mir gezürnt hast.“ Aber überall, wo noch echtjüdisches Leben pulsiert, wird darauf gehalten, dass der hei einem Toten von den nächsten Angehörigen zu sprechende Segensspruch ״Gelobt seist du . . . der richtet in Wahrheit“ בשעת חמום gesprochen wird im Anblick der Leiche, wo der Schmerz über den Verlust mit besonderer Kraft hervorbricht. — Nur nebenbei sei bemerkt, von welchem religiösen und sittlichen Tiefstand der Judengegner es zeugt, wenn der bei Juden übliche Ausruf: ״Gott du Gerechter“! der auf die kürzeste Formel gebrachte Ausdruck des צדוק הדין, ein so edles Zutagetreten religiösen Empfindens, hei jenen zu einem Schimpf- und Spottruf geworden, der sich in die hep-hep־Rufe mischt.