Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 217 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Charakteristik usw. 217 talmudischen Sätzen, und es ist anderseits so gar kein Weg zu entdecken, auf dem diese Gedanken und Vorschriften durch fremde'Einflüsse in das Judentum eingedrungen sein sollten, dass wir sie als Grundüberzeugung jener Zeit ohne Weiteres in Anspruch nehmen können. Das gleiche gilt aber von dem Mitleid Gottes mit dem Sünder und dies Mitleid im eigentlichen Sinne des Wortes genommen, dem Mitleiden Gottes mit seinem sündigen und darum in Not und Verbannung lebenden Volke1). Nicht nur in den eigentlichen Bussgebeten. In den nur für das Judentum charakteristischen Gebeten, den am Sukkothfeste, ״der Zeit der Freude״ mit dem Symbol der Freude, dem Pflanzengebinde in der Hand gesprochenen הדשענות, die in so eigenartiger Weise in den Freudenkelch den Tropfen wehmütigen Ernstes mischen, jenen z. Teil wundersamen Blüten unserer Gebetsliteratur 2 3) ist der Gedanke עמו אנכי בצרה, dass Gott mitträgt an den Leiden und Schmerzen Israels als den Folgen seiner Sünden der beherrschende. Und endlich: Sollen wir nicht das Recht haben aus der innigen Herzlichkeit, mit der wir uns Gott nahen, zu Gott sprechen, auf jene Zeiten zurückzuscbliessen, in denen doch dies Verhältnis ein noch viel innigeres sein musste, schon deshalb, weil alles Religiöse einen viel intensiveren Charakter trug, weil das gesamte Menschenleben, alles Tun und Lassen viel mehr auf die Religion, auf die Frömmigkeit gestellt war. Es ist so unfassbar, wenn allen Ernstes dem talmudischen Judentum das rechte Kindschaftsgefühl zu Gott abgesprochen wird, in den Gebeten, in denen es zu Gott als seinem Vater rief8). Oder wrenn gar behauptet wird, dass das allmähliche Eindringen der Bezeichnung Gottes als ״unser Vater im Himmel״ ף oben S. 121,3—6; 122,1—11. 2) als eine der edelsten ist sicher das אום אני חומה anzusprechen. — Wir begegnen dort, wo man sich von niehtjüäischer Seite aus über den Charakter der jüdischen Frömmigkeit äussert, nirgends der Kenntnis dieser Gebetsstücke. 3) vgl. oben S. 123,2.