Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 215 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Charakteristik usw. 215 1wir wegen der Fülle des Materials hier nicht eingehen können, würde zu dem Ergebnis führen, dass der Glaube an »רוחות, שדים מזיקים, an die Tätigkeit des שמן das eigentlich religiöse Bewusstsein völlig unberührt lässt, dass alle jene Erzählungen nicht geeignet sind das Bild zu verwischen, das wir oben1 2) auf Grund der angeführten Aussprüche von der Vorstellung entworfen haben, die über das Wesen des bösen Triebes herrscht. Dass Gott seiner Welt und was in ihr lebt und wirkt die mannigfachsten Gelegenheiten zur Versuchung gegeben, dass Er selbst der Schöpfer des ganzen Menschen und darum auch des bösen Triebes ist, und dass dies alles entlastend bei einem etwaigen allzustarken Ueberwiegen des Sündenbewusstseins wirkt, muss ja bei dem streng monotheistischen Zug der Gottesvor- Stellung des gegenwärtigen Judentums sich unbedingt geltend machen. Dem ist in der Tat so. Von unser Zeit rückschliessend dürfen wir aber auch die obenerwähnten diesbezüglichen Aus- Sprüche als wesentlich für die Grundauffassung der talmudischen Periode ansehen. Steht ja für diese der reine monotheistische Charakter ebenso ausser Frage. So sehr, dass von nichtjüdischen Beurteilern von einem übertriebenen Transzendentalismus gesprochen wird3). Es steht freilich etwas4) im Widerspruch mit dem eben Erwähnten wie mit dem Gedanken, dass Gott den Weg zum Guten erleichtert und den zum Bösen erschwert, dass die Willens- נ) S. 118,1—6; 119,1. 2) oben S. 119,2—7. s) Auch die Gottes Vorstellung der Talmudweisen muss nach diesen Beurteilen! in sich widerspruchsvoll und zerrissen sein, indem dieser Transzendentalismus sich als unvereinbar mit der sogenannten Judaisierung des Gottesbegriffes in jener Zeit erweist. Darauf baut Weber a. a. O. 148—162 seine ganze systematische Darstellung des Gottesbegriffes innerhalb der jüdischen Theologie des Talmuds auf. Das wäre eine Folge davon, dass der Ausgleich durch die Annahme der Trinität von den Juden abgelehnt wurde. Vgl. dagegen Köhler 8. 350 und Wohlgemuth: Das Religionsgesetz etc. I 8. 26 f. 4) etwas; denn Voraussetzung bleibt ja immer, dass der Betreffende den guten Willen mitbringt, also der Wille zum Guten sich bereits entschlossen hat.