Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 214 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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214 Zur Charakteristik usw. werden, vor allem was ihre Beziehung zum Sündenbewusstsein betrifft, durch andere Aussprüche, die wir oben nicht angeführt haben sollten, nicht verwischt. An einzelnen Bemerkungen sei noch hinzugefügt: Trotz aller Einwirkungen, die sich auf dem Wege über die Literatur der jüdischen Religionsphilosophen, Exegeten und Ethiker seitens der antiken philosophischen Systeme auch auf die Masse der Juden geltend gemacht haben, die sich den psychologischen Besitz der heutigen Zeit nicht zu eigen gemacht haben, ist auch diese, soweit es das Sündenbewusstsein betrifft, von der Einfachheit und ursprünglichen Reinheit der Seele und der Möglichkeit, sie in dieser Reine zu erhalten oder zu ihr wieder zurückzufuhren, überzeugt1). Der Glaube an die reale Existenz von Dämonen übt auch dort, wo er sich noch geltend macht, keinen Einfluss aus auf das Sündenbewusstsein. Es ist schwer zu entscheiden und sicher ganz individuell, wie weit es sich bei den in diesen Kreisen herrschenden Vorstellungen (etwa über den שטן) um den Glauben an ganz konkrete Dinge handelt. Es ist wahrscheinlich, dass sie sich vielfach mit denen mancher Aus- Sprüche und Erzählungen im Talmud decken, bei denen bloss an Gleichnisse und Bilder zu denken, die Symbolisierung und Allegorisierung doch zu weit treiben hiesse. Aber wir richten wiederum einen Appell an die Oeffentlichkeit, ob dieser Glaube irgend etwas von jener zitternden Angst, von der unaufhörlichen Bedrohung, von einem Verzweifeln an der Möglichkeit sich des Einflusses jener bösen Geister zu erwehren zur Folge hat, wie dies von den nichtjüdischen Beurteilern behauptet wird. Und nun gar dort, wo es sich darum handelt, dem sündigen Zustand sich zu entziehen. Schon aus diesem Tatbestand müsste man schliessen, dass das Gleiche von der talmudischen Zeit gilt. Aber eine Untersuchung aller einschlägigen Stellen, auf din *) Dem widerspricht auch die von manchen angenommene Lehre von der Seelenwanderung nicht. Beim Eintritt in den ersten Körper war die Seele jedenfalls ohne Fehl. Und die Aufgabe der Wiederherstellung ist nur auf mehrere Individuen verteilt.