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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 211 (sequence 90)
Language
German
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Zur Charakteristik usw. 211 geht, die in diesen Aussprüchen in den mannigfachsten Formen ihren Niederschlag gefunden, wird anerkennen, dass von einer Zurechnung im mechanischen Sinne keine Rede sein kann, dass die verschiedenen Vorstellungen von dem Verdienst der Väter, der frommen Zeitgenossen, der gerechten Nachkommen und ihren Korrelaten: der Heimsuchung auf Grund der Schuld der Väter, der Sünden der Zeitgenossen, der Rückwirkung eines frevelhaften Wandels der Nachkommen auf ihre verstorbenen Vorfahren zum Teil rein biblisch sind, zum Teil Versuche von Lösungen mancher religiösen Probleme; dass sie ferner in durchaus verschiedener Stärke sich geltend machen, einige sich?olles Bürgerrecht erworben, andere als so vereinzelte Anschauung vertreten werden, dass man mit gutem Rechte sagen kann, sie seien für die talmudische Zeit nicht ״charakteristisch“. Ueber all das haben wir ausführlich an anderer Stelle gehandelt1). Hier sei als das für uns hier Wichtige nur hervorgehoben: Der Fatalismus, der aus Sätzen wie פוקד עון אבות על בנים der Heimsuchung der Schuld der Väter an den Kindern für das eigene Tun sich ergeben könnte: es sei doch alles umsonst, ob wir nun sündigen oder Gutes tun, macht sich nicht im Geringsten geltend. Wohl aber das Bangen, wenn auch nur im Unterbewusstsein, dass unsere schlimmen Taten von verhängnisvollen Folgen für unsere Lieben sein könnten. Das Gefühl der Verantwortung für die Taten eines jeden Einzelnen ist überaus lebendig. Der Gedanke der Gemeinbürgschaft, der Solidarität aller Israeliten, dass die einen für die anderen büssen, die Weib zu nehmen, <L h. eine solche za ehelichen, deren rein israelitische Abstammung nachgewiesen werden kann. Und Weber fährt fort: ״Der Hauptgrund dieser grossen Wertschätzung der Abstammung von den Tätern Israels ist ja die dadurch vermittelte Gewissheit, Anteil an ihrem Terdienste zu haben“. Man lese Kidduschin 70 a ff. nach, woher Weber seine Belegstellen entlehnt bat, ob auch nur eine einzige Andeutung dafür gegeben ist. Vor allem aber: Hätte Weber auch nur den kleinsten Einblick in die Halacha, wie er ihn in anerkennenswerter Weise von dem Wortlaut der Agada gewonnen, so wäre ein solcher Schluss, wie jedem Kundigen bekannt, unmöglich gewesen. ג) J. Woblgemuth a. a. 0. S. 98—145.

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