Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 210 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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210 Zur Charakteristik usw. in der letzten Stunde des Lebens entscheidend.1) Das wollte R. Jochanan ben Sakkai seine Schüler lehren, als er ihnen sagte, er wüsste nicht, welchen Weg man ihn nach semem Tode führen würde.2) Denn es war, wie das unzählige Male im Talmud uns begegnet, ein Verhalten, das speziell seinen Schülern zum Vorbild dienen sollte, denen er im geweihten Augenblick noch mit seinem Letzten den rechten Weg weisen wollte3). Auch über den Charakter des Verantwortungsgefühls, das sich aus der Theorie vom Verdienst der Väter und der mit diesen Theorien verwandten Vorstellungen ergibt, wie über das Tröstliche, das aus ihnen quillt, gewinnt man nur ein rechtes Bild durch das Licht, das auf sie aus dem heutigen religiösen Bewusstsein fällt. Es ist keine Frage, dass manche Aussprüche wörtlich genommen, den Anschein erwecken, als ob man es bei dem ״Verdienst der Väter* mit einer ähnlichen Anschauung zu tun habe, wie sie die christliche Kirche in der Lehre vom himmlischen Schatz guter Werke, von den überschüssigen Verdiensten der Frommen, von der stellvertretenden fremden Gerechtigkeit formuliert hat4). Wer den Begriffen tiefer nach- 1J Dass die ausserordentliche Bedeutung der ודוי, dieses Sündenbekenntnis8es auf dem Sterbebette im westeuropäischen Judentum auch innerhalb des toratreuen Judentums etwas in den Hintergrund getreten, habe ich in dem Aufsatz: ״Das Sündenbewusstsein“ Jeschurun VI S. 441 f. festgestellt. In dem Kern und der Masse, dem osteuropäischen Judentum macht es sich auch heute mit elementarer Qewalt geltend. 2) oben S. 117 2. 3) Schon Maharscha Chidusche Agadoth z. St. macht darauf aufmerksam, dass diese Mahnung der Sinn seiner Klage war. Sind ja seine letzten Worte: והכינו כסא לחזקיהו מלך יהודה שבא stellet einen Sessel bereit für Chiskijahu den König von Juda, der jetzt kommt [sc. um mich zu begleiten (Raschi)] der beste Beweis, dass er wusste, er würde den Weg znm Glücke geleitet. 4) vgL Marmorstein a. a. 0. passim und die Zusammen- Stellung bei Weher a. a. 0. S. 277—312, S. 326—330. Es kommt eben alles auf die rechte Wertung an. Von den Unrichtigkeiten kann hier nur ein Beispiel, aber ein schlagendes gegeben werden. Es werden S. 294 f. gute Belege dafür beigebracht, wieviel Nachdruck auf die reine Abstammung gelegt wird, was die משפחות מיוחסות bedeuten, dass das wichtigste Anliegen eines frommen Israeliten ist, ein ihm ebenbürtiges