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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 200 (sequence 79)
Language
German
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200 Zur Charakteristik usw. seiner unerschöpflichen Liebe heraus geschaffen1). Doch er hat ihm eine Aufgabe gestellt. Und diese Aufgabe ist, dass er die Vollkommenheit nicht als ein in die Wiege gelegtes oder ererbtes Gut schon besitze, sondern sie sich erst erringe2). Darum wurde er als ein Mittelwesen geschaffen, halb der Erde, halb dem Reiche des Himmlischen angehörig. Es sollte eben im Reiche der Schöpfung noch ein höchstes Glied geben, das sich auch über die Engel zu erheben vermöge3 * *). Diese besondere Höhe eignet 2) Die oben S. 188 zitierte Baraitha über den Streit zwischen den Schalen Schammai’s und Hillel’s, der zum Endresultat führte, es ist für den Menschen besser, er wäre nicht geschaffen, ist nicht in das Allgemeinbewusstsein übergegangen. Es setzt sich eben in Widerspruch zu der Grundüberzeugung, dass die Schöpfung der Welt doch von Gott als »gut‘6 und gar die des Menschen als »sehr gut“ befunden wurde. Vgl. darüber u. a. R. Jakob Emden in seinen talmudischen Glossen z. St.; Albo’s Ikkarim T. IV c. 29; Mahrscha Chiddusche Agadoth zu Makkoth 23 b. s. v. תרי״ג, die alle diese Schwierigkeit empfinden und sie z. T. — wenig glücklich — zu lösen suchen. Nicht ohne Absicht ist aber vielleicht das Wort נוח gebraucht und nicht כוח;טוב d. h. sanfter, ruhiger und dann in der Bedeutung angenehmer s. J. Levy WB s. v. Dann wird hier kein Urteil gefällt über den objektiven Wert der Schöpfung und über diese vom Standpunkt G’s, sondern ob es für den Menschen bequemer gewesen. Dass, es dem Menschen lieber sein mag, den dornenvollen Weg der Pflicht nicht zu gehen, wenn auch am Ende ein hohes und beglückendes Ziel lockt, ist eine verständliche Annahme. Vgl. das analoge לא הן ו^א שכרן des R. Jochanan (Berachoth 5b), dass er auf die Prüfungsleiden gern verzichte, wenn sie auch von Gott mit einem hohen Lobne bedacht sind. Auch Ab. R. N. 25,5 Jalkut 845 ist diese Bedeutung wahrscheinlich. An anderen Stellen ist sie freilich fraglich. 2) M. Ch. Luzzatto ״der Weg der Frommen“ ed. Wohlgemuth S. 7f. s) Der Glaube an die reale Existenz überirdischer himmlischer Wesen ist Grundüberzeugung des Judentums. Die Form ihres Seins wird verschiedentlich vorgestellt in allen Abstufungen, die zwischen einer rein rationalistischen und einer ausgeprägt mystischen sich nur ergeben. — Es soll hier und kann auch im Rahmen dieser Abhandlung nicht unsere Aufgabe sein, Vorstellungen, die nur sekundär mit unserem Gegenstand zusammenhängen, näher zu begründen. In Kürze sei hier nur auf den bedeutenden Philosophen Fechner verwiesen, der zugleich ein eminent exakter Naturforscher war, den Begründer der Psychophysik als Wissenschaft und Bearbeiter der Aesthetik auf experimenteller Grundlage, der in seinem dreibändigen Werke Zendavesta und einer Reibe anderer Schriften die These verfochten hat und zu beweisen versucht, dass das Reich des seelisch Belebten nicht nur unter

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