Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 199 (sequence 78)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293027-2293029--06878-2300161
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Charakteristik usw. 199 des Sündenbewusstseins eine bedeutsame Rolle, ist es bekannt, dass hier das oben erwähnte ״fremde Element* sich nicht geltend gemacht hat. Sie sind alle in der Festhaltung des Grundinhalts uniform. Einer gewissen Entwicklung begegnen wir hinsichtlich der Auffassung und Anwendung psychologischer Grundsätze und dementsprechend auch einer verschiedenen Begründung der Tugendlehre, nicht aber inbezug auf den seelischen Inhalt des Sündenbewusstseins. Das soll hier als Behauptung aufgestellt werden, die Beibringung der Belege möge einer anderen Gelegenheit Vorbehalten bleiben. Desgleichen sei hier als Behauptung vorweggenommen, dass auch die talmudische Zeit in der Aneignung des in Frage stehenden religiösen Inhaltes einen einheitlichen Charakter zeigt. Wir werden also im folgenden das Sündenbewusstsein des gegenwärtigen Judentums mit den oben angeführten Aussagen der Quellen vergleichen. Voraus- Setzung ist freilich, dass wir diese ״Selbstbeobachtung* des Allgemeinbewusstseins richtig wiedergegeben und dass wir bei der obigen Zusammenstellung der Quellen nichts Entscheidendes fortgelassen. Den Gegenbeweis würden Stimmen aus dem jüdischen Lager führen. Es wäre ja sonst talmudisch ausgedrückt, מלתא דעבדדא לגלדי eine Tatsachenverschleierung, die auf die Dauer doch nicht verborgen bliebe. b) Die Vergleichung des Sündenbewusstseins im ge genwärtigen Judentum mit dem des talmudischen* 1). Grundüberzeugung im Judentum ist auch heute noch, dass der Mensch nicht sündenbeladen geboren wird. Zu Anfang des täglichen Morgengebetes heisst es: ״Mein Gott, die Seele, die du in mich gegeben, ist rein“. Aber ebenso lebendig ist die Ueberzeugung, dass der Mensch auf die Sünde angelegt ist. Gott hat, wie seine ganze Schöpfung, so auch den Menschen aus *} Wir geben im Text die Lehre des gegenwärtigen Judentums und verweisen in den Anmerkungen auf die parallelen Gedankengänge der im I. Teil wiedergegebenen talmudischen Aussagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.